Groszer Wein. Eisenberg.

14.03.2013
tags: weingüter

Kennen Sie Matthias Krön? Den Namen dürfen Sie sich durchaus merken. Mit einer Vergangenheit in Soja (gentechnikfrei, österreichisch) und einer Zukunft im Wein (eisenbergisch) hat er sich, ganz smarter, weltgewandter und -bereisender Geschäftsmann, aus einer über Jahre gewachsenen Liebe zum Südburgenland heraus zur Aufgabe gemacht, das (wirtschaftlich) fragile Gefüge des Vinum Ferreum vor der Zersplitterung zu retten und es kurzerhand zu seinem Projekt gemacht. Mit provokanten, aber erstens stilvollen und zweitens sinnvollen Ansätzen: Groszer Wein (ja: manieristisch, aber: alte Schreibweise) in großem Gebinde (Tradition: also Literflasche) vereint ab sofort das, was in 90 kleinen Einzelweingärten auf besten Lagen ganz oben am Eisenberg wächst.

Bei neuen Unternehmungen von Tradition zu sprechen ist immer ein wenig gefährlich, denn was im Heute angegangen wird, ist bei aller Berufung auf Vergangenes immer etwas Neues, weil aus einem aktuellen Blickwinkel heraus gestaltet. Und so ist der Satz von der Interpretation der Eisenberger Tradition denn auch viel ehrlicher. Für Weingärten und Keller gilt: sukzessive Umstellung auf Bioarbeit, gerade auch in der Bodenbearbeitung (angesichts des Fleckerlteppichs an schmalen Parzellen, umzingelt von konventionellen, ist das schwierig genug); Gemischter Satz für Weißwein (welschrieslinglastig, keinesfalls die Steiermark kopierend); keine Reinzuchthefen mehr, stattdessen mit Weingartenansatz arbeitend; große Holzfässer oder maximal gebrauchte Barriques.

Und dosierte Spielerei im Auftritt: Durchgängig Literflasche als Traditionsgebinde, bevor französische Tugenden die Überhand nahmen (das wird auch für die frühestens erst nächstes Jahr verfügbaren Lagenfüllungen gelten) – weiteres Argument: „Die Südburgenländer sind großzügig!“; mangels alter Etiketten eine von alten Aufzeichnungen inspirierte Etikettengestaltung (früher wurde ja ohne gefüllt) mit Herkunftsgrafik – weil „Eisenberg“ der DAC vorenthalten ist; manieristische Schreibweise: „Groszer Wein“, „Küvee“; Konsequenz auch bei den fact sheets mit Schreibmaschinenlettern. Ob damit wirklich die Verortung in der Tradition stattfindet, sei dahingestellt und ist eigentlich unerheblich; wichtig ist vielmehr, dass alles bis ins Detail durchdacht ist und die Lancierung erst jetzt stattfindet, da die ersten Weine auf Flasche gezogen sind und sich trinkreif zeigen.

Die Basislinie ist nicht billig, aber preiswert. Denn Billigwein ist in dieser Struktur, mit so kleinen Einzelweingärten, die kaum mit Traktor zu bearbeiten sind, nicht möglich. Außerdem sind die Weine von solchem Extrakt gezeichnet, bewegt sich fast alles im Reservebereich, dass der Spruch von „viel Wein für das Geld“ durchaus stimmt. Derzeit kommen drei Weine auf den Markt, die sich durch markanten, hochqualitativen Charakter einerseits, durch wohltuenden Trinkfluss andererseits hervortun: Gemischter Satz 2012 (€ 9,90 ab Hof), Rote Küvee 2011, Blaufränkisch 2011 (beide € 12,90). Die Lagen, darunter so klingende Namen wie Saybritz und Szapary, lassen noch auf sich warten; Trinkreife ist das Zauberwort.

Im Keller verantwortlich ist Markus Bach aus Würzburg, der schon seit 2009 am Eisenberg werkt. Er hat den Vorteil, sich außerhalb örtlicher Freund-Feindschaften zu bewegen und die Qualität des Ortes vielleicht auch  aus einer die Arbeit beflügelnden Distanz heraus zu sehen. Matthias Krön selbst, der im Südburgenland eine kleine, unwirtschaftliche Molkerei auf Sojabetrieb umgerüstet hatte und in der engen Zusammenarbeit mit Landwirten ganz der Faszination des Region erlegen ist, hat sofort zugegriffen, als die Winzer an ihn herangetreten sind. Denn dass da noch viel mehr zu machen ist aus diesen hochmineralischen Böden und alten Weingärten, sah und spürte er sofort.

Für die vielen kleinen Weingartenbesitzer, die ihr Herzblut und vor allem auch viel Geld in das Vinum Ferreum-Projekt gesteckt hatten, bedeutet diese „ feindliche Übernahme“ in erster Linie die Bewahrung ihrer Weingärten vor endgültigem Zerfall und die Fortsetzung ihrer Arbeit, allerdings auf durchkalkulierter Basis. Und so gewinnt, was einst, als in den 90ern der Weinbau in der Region am Ende und alles von enormer Zersplitterung gezeichnet war, als Rettungsprogramm funktionieren sollte, wieder seine ursprüngliche Bedeutung, wenn auch in etwas anderer Form. An eine Vergrößerung des Betriebes ist gedacht, um noch wirtschaftlicher arbeiten zu können (das Team ist sehr klein gehalten, aber Familienbetrieb ist es eben keiner); man leistet sich aber einige Neuerungen im Keller, offenes Vergären etwa, Schwefelzusatz erst vor dem Füllen, keine Bewässerung der Weingärten. Die sind ja die wahren Charakterköpfe in dem Projekt, mit ihren 60-70 Jahren. Und weil „Wein ein Grundnahrungsmittel“ ist (Krön), sollte  mit ihm auch in entsprechender Sorgfalt umgegangen werden.

Gemischter Satz 2012
ca. 75% Welschriesling, etwas Weißburgunder, Grüner Veltliner, Muskateller. 13%
Gelbfruchtig, aromatisch; saftig, würzig, mit cremiger Fülle und Spannung. Breite und Frische gleichzeitig, komplex und trinkfreudig – solche sich ergänzenden Gegensatzpaare findet man selten im Wein. Passt ins große Burgunderglas, wird noch sehr lange Freude machen. Dieser Wein zeigt, dass Welschriesling weit mehr kann als nur knackig-frisch zu sein – man muss eben richtig umgehen damit!

Rote Küvee 2011
37% Zweigelt, 33% Blaufränkisch, Cabernet Sauvignon, Syrah, Merlot. 13,5%
Nein, Leichtgewicht ist dieser Wein keines, und kommt doch so kantig-herb daher, dass man des Alkohols wohl erst nach dem ganzen Liter gewahr wird. Erfrischende Säure, Spannung und Lebendigkeit, rote Beeren und Früchte, Ribiselblätter, feine Tannine, klare Mineralik, Trinkfluss mit Charakter.

Blaufränkisch 2011
13,5%
Reife Frucht, schöne Säure. Einnehmend geschmeidig, herrlicher Trinkfluss, die Mineralität schwingt sich in der Länge eindrücklich auf. Frucht und Pfeffer, Spannung und Sanftheit, Frische und Wärme. Ideal als Eisenberg für Anfänger, für ein erstes falling in love ....

Worauf man sich wird freuen können, wenn es dann so weit ist mit den Lagenweinen: Weißburgunder aus 60jährigen Reben!

Die ersten Weine sind ab sofort im Weinhandel erhältlich.

Groszer Wein