Die Natur bedankt sich - Biodynamisches aus Südtirol und Trentino

05.10.2010

Eine kleine, wohlbegleitete Reise brachte mich zu biodynamischen Winzern in Südtirol und dem Trentino. Nicht dass Biodynamie hier ein solch großer Trend wäre wie in Österreich - aber ein paar herausragende Figuren dieser Weinlandschaften vermitteln die Stimmigkeit von Tun und Sein auf eindrucksvolle Weise - und machen einfach verdammt gute Weine!

Die langsamen Weine der Elisabetta Foradori

Vordergründige Frucht ist Elisabettas Sache nicht, dafür einnehmende Komplexität und Vielschichtigkeit. Die Weine sind allesamt von einer kühlen Eleganz gezeichnet, auch die Weißweine haben deutliche Gerbstoffnoten, dank Maischestandzeiten von einigen Tagen. Jeder Wein verändert sich ständig im Glas, wird von Schluck zu Schluck anders, zeigt eine mitreissende Lebendigkeit und vor allem Langlebigkeit. Es sind „langsame“ Weine, denen man ihre Zeit lassen muss. Sie zeigen auch die Jahrgangsunterschiede ganz deutlich, reagieren aber auch enorm auf die Ausbauart. Aber Weine nicht abgehoben,sondern haben ihre Erdigkeit und sind so Spiegelbild der Winzerin, die so aufrecht dasteht, ihre Hände im Herbst gezeichnet von der Arbeit, und Grazie wie Erdhaftung vermittelt. Eine schöne Verbindung von oben und unten, Kosmos und Boden.

Myrto 2009
Rebsorte  Manzoni bianco oder Incroce Manzoni
kräftiges Gelb, offen, leicht oxidativ; zarte Aromen, Frucht versteckt sich im Hintergrund, man vernimmt eher die Struktur, den Charakter; vorne salzig, leicht mit Gerbstoff unterlegt, ein Wein mit Charakter.
Ausbau: 10 Tage auf der Maische, dann 9 Monate im großen Fass

Nosiola 2009 aus der Amphore  *
Leicht roséfärbig. Braune Apfelschalen, nussig, frisch. Gerbstoff bleibt haften. Grüne Beeren. Mit etwas Essen kommt die Frucht herrlich raus, dann schmiegt sich der Wein; Melisse, Kräuter, schöner Säurebogen, vorne salzig, intensiv. Kommt erst im Februar 2011.

Sgarzon 09 Fassprobe aus dem Holzfass
Einzellage, die Holzfassversion. Rubinviolett, süße Nase, mit Luft kommt Würze, feste Tannine, viel Gerbstoff, wirkt eher rustikal, heidelbeerfruchtig.
1 Monat Maischegärung im offenen Tank.

Sgarzon 09 Fassprobe aus der Amphore *
In der Farbe gleich, aber krautigere Noten, Schalengeruch; enges, feines Tannin, feine Säure, kühle Aromatik, elegant, wirkt trinkfertig, ist viel weiter; macht nicht müde, ihn allein zu trinken.
Sgarzon gab es bis vor 15 Jahren, aber Einzellagen hatten sich zu wenig vom anderen Teroldego unterschieden. Jetzt sind die Unterschiede markant, deshalb nun wieder neu, aber anderer Ausbau.

Foradori 07
100 % Teroldego. Weich und offen, schöne Trinkbarkeit, die Mitte fehlt, aber gut zu trinken, ein Schmeichler.
07 war kein Winter, früher Austrieb, frühe Lese - deshalb weiche und runde Weine

Foradori 08   *
Fein und schlank, dunkle Beeren, aufrechte Eleganz, kühle Stilistik, sehr sortentypisch, hat den Charakter der Berge. Macht nicht müde, man will noch ein Glas, mit der Luft entwickelt sich die Frucht herrlich.
08 kühler August mit Regen, schöner Herbst, Ernte Anfang Oktober

Granato 07
Teroldego aus 5 Weinbergen, nur Schotterböden, alte Reben - auch 2 „Mütter“ sind dabei.
Weiche Frucht, feines Bouquet, animalisch mit Frucht; geschmeidig.

Granato 06   *
Gereiftere Farbe; schön gereift, feine elegante Nase, Nüsse, Röstaromen, feines Tannin, mineralisch, ganz klar, Länge, einige Strenge.
Klassischer Jahrgang für Teroldego

Zwischendurch Nosiola Amfora nachgekostet - sie verliert keineswegs, im Gegenteil, kann wunderbar getrunken werden, auch zwischen und nach den Rotweinen!

Projekt Ampeleia: die andere Maremma, nicht marmeladig, üppig, sondern klar gezeichnet.

Ampeleia 07
Der Maremma entkommt man dennoch nicht: voll, mit süßen Röstnoten, überaus geschmeidig, zeigt aber den Alkohol nicht und ist auch keineswegs fett. Die 7 Rebsorten verbinden sich zu einem vielfältigen Spiel, keine ist als einzelne wichtig. Ausgebaut in Betonbehältern, reift Ampeleia in kleinem Holz.

Manincor -  Auf Messers Schneide

Es sind deutlich andere Weine, das Weingut zeigt ein anderes Südtirol, und so wird auch dem Kalterersee, diesem sonst so übel beleumundeten Schwemmwein, eine neue Identität gegeben. Seit der Zertifizierung als biodynamisches Weingut (mit dem Jahrgang 09) sind alle Weine in Burgunderflaschen gefüllt - auch das ein Unterscheidungsmerkmal. Die beiden Gutsweine in weiß und rot stellen die Basis dar, so etwas wie „Einstiegsweine“ gibt es nicht, es geht gleich richtig los. Weine „auf Messers Schneide“ (Zitat Michael Graf Goëss-Enzenberg). Kühle Eleganz ist auch das Merkmal der Manincor-Weine, sie sind dicht, aber nicht konzentriert, der Gutsstil lässt sich durchgängig erkennen. Der überaus gekonnte Holzeinsatz gründet auch in der Sorgfalt beim Fassbau: die Eiche aus eigenem Wald vom Hang gegenüber, drei Jahre verwittert, in Österreich gebaut.

Moscato giallo 09
Es gibt keinen Gewürztraminer, der sonst das so wichtige Entrée für den italienischen Markt ist. Dafür aber diesen Muskateller. 
Trocken, reich, nicht allzu intensiv muskatduftig, schön für würzige Küche. 

Reserve della Contessa 09
Der weiße Gutswein statt eines Einstiegsweines ist klassisch für Terlan, 60%WB, 30% CH, 10% SB, süffig, von eleganter Frische. Wächst auf Porphyr, intensiv duftend, mit feiner Säure, lebendig und mineralisch, mit schmeckbarem Gerbstoff. 

Sophie 09 *
nach der Gattin benannt
Chardonnay, mit etwas SB und Viognier: die gehören dazu wie Salz und Pfeffer zum Essen, sind die Komplettierung
sehr lebendig, intensiv, salzig, ein Wein mit Rückgrat, vielschichtig, Gerbstoff, langlebig.
Wächst auf Schutt und Porphyr, die Wurzeln holen sich das Vulkanische aus dem Boden.
Sehr klar und präzise, geht in Richtung Chablis, messerscharf, feine Geschmeidigkeit dazu, die IST und nicht gemacht wird.

Lieben Aich 09
Sauvignon, erst der zweite Jahrgang, Ansitz Terlan.
Braucht Luft, präzise, angenehme Säure, reife Frucht, ganz leichter Holztouch, aber schön eingebunden, mineralische Eleganz. 3 bicchieri verdi

Kalterersee 09
Der liegt dem Hausherrn am Herzen.
Helles, klares Rot, feine Erdbeersüße; frisch und anregend, süffig und fein, von früh bis spät unkompliziert.

Reserva del Conte 08
Dieser Wein stellt 30% der Produktion,  Lagrein ME CS
Saftig, zugänglich, 1 Jahr in auch großem Holz, angenehm, gleitet gut, gute Struktur, süffig, lebendige Farbe

Cassiano 07
Name: Cassian war der 1. Bischof von Brixen um 300, Cassian Emmenberg war Maria-Theresias rechte Hand, und schließlich heißt der Sohn Kassian.
ME + CF mit Zusatz von SY, Petit Verdot, CS
reich und straff, zieht schön durch, am Gaumen Frucht, 18 Monate Barrique, dann Flasche
kraftvoll, salzig, die zusätzlichen Trauben machen das Geschmacksprofil eines Manincor aus. 

Lagrein 08
Lage Rubatsch bei Terlan; ähnlich sensibel wie Burgunder, Schalen werden sehr dünn, da muss man vorsichtig sein wegen der Bitterstoffe. 
Süße Würze, dicht und kräftig im Ausdruck, feine reife Tannine, dicht, aber nicht konzentriert

Mason 08 
Pinot Noir. Herrlich tiefrosa, eine wunderbare, anregende Farbe, die leuchtet; weiche Frucht, sehr flirrend und fruchtig, schon gut trinkbar

Mason di Mason 08 *
Wird nur in guten Jahren gemacht, etwa 1500 l, das Herzstück des Kalterer Mazzon.
etwas dünner in der Farbe, hält sich noch zurück, aber ist intensiver, kerniger, würziger, hat Druck, salzig
An diesem Wein wird in Italien der Pegel gemessen, er ist das Aushängeschild, der punto di riferimento, und in den besten Häusern Südtirols in den Kellern zu finden. 

Le petit Manincor 08 *
Rebsorte Petit Manseng aus dem Jurançon: kleine, dickschalige Beeren mit viel Säure 
dunkles Honiggelb, hat auch die Manincor-Kraft, eine Spezialität, KEIN passito wie sonst üblich, wurde im Dez/Jän gelesen, wenig Botrytis.
Die Säure macht den Wein lebendig, herrlich trinkbar, gut als Speisenbegleiter. 150 g RZ, 12 Promille, mit 30 KMW gelesen am 16.1.09

Lageder - wo Größe und Biodynamie kein Widerspruch sind

Alois Lageder ruht in sich. Und ist doch von solcher Leidenschaft beseelt, wenn er spricht. Seine konsequente Arbeit, immer zutiefst durchdacht und vorausschauend, mündet nun in zwei Linien: den Tenutae-Weinen, alle aus biodynamischem Anbau, und der Lageder-Linie, wo auch Zukauf bei vertrauenswürdigen und schon lange dem Weingut verbundenen Winzern getätigt wird. Zunächst gab es nur 20 ha in biodynamischem Anbau, und zwei Weine daraus. Aber mittlerweile ist alles in eigenem Besitz umgestellt, die Weine bekommen nach und nach ihre Zertifizierung.

Pinot Bianco 09 *
Bilderbuch-Weißburgunder, herrlich als Speisenbegleiter. Reich und reif, feine Nuss; voll und aromatisch, feine Würze, angenehme, pikante Säure, reifer Apfel, auch Frische, gewinnt mit Luft.

Gewürztraminer 09
2 Großlagen: Tramin und Eisacktal
feine Rosennase, zunächst ganz schmeichelnd, dann lebendig, Frische, delikat und nervig, lebendiges Spiel, feine Säure, trinkbar

GAUN Chardonnay 09
Ein neuer Wein; Teil von Löwengang in Margreid.  Steile Lagen, schottrig, Dolomitengestein
weich und voll, feine Säure, Frucht und Joghurt, war gerade frisch gefüllt.

PORER Pinot Grigio 09
Lage hinterm Dorf oben; ebenfalls neuer Wein.
verhalten; sehr klar, reif, trocken elegant, gerade, feine Nuss, wenig Druck, ganz im Edelstahl 

LÖWENGANG Chardonnay 07
gleich hinterm Gebäude
Blüten; das Holz als Teil und nicht als Extragabe, frische Säure, zartes Karamell mit Blüten 

BETA DELTA Lagrein-Merlot 08
aus den ersten 20 ha Umstellung 
biodynamischer Landwein, ein Teil Eiche, ein Teil großes Holz
viel Frucht, feines Cassis, weich und feine Tannine, sehr angenehm zu trinken, feine Säure

KRAFUSS 04
Pinot Noir. Starke Röstnoten, am Gaumen Frucht und Holz, einiger Gerbstoff, kräftige, dichte Farbe

KRAFUSS 07
Eppan Berg 1992 bepflanzt, Klone aus Frankreich
12 Monate Holz, 1/3 neu
hell, sehr transparent, viel Frucht in Nase, Himbeere, leicht rauchig, elegant, salzig. Man hat den Eindruck, dass (im Vergleich zu 04) dazu gelernt wurde.

LINDENBURG Lagrein 06
Einzellage in Bozen hinter Maretsch, Schwemmböden, alte Reben und alte Erziehung
18 Monate Barrique, Hälfte neu
dunkle Würze, feine Säure, Olive und Würze, Holz eingebunden, gut zum Essen

MCM Merlot  1995   *
Kräuterwürze, straff, Tiefe, weich und mürbe, feine Tannine, intensiv Heidelbeer, ein Traum, wie frisch gerebelte Trauben. Zeigt, wie langlebig die Weine sind.

MCM Merlot 2004 
aus alten Reben am Sportplatz Margreid
süße Nase mit ME-Würze, sehr jung, noch herb, verhalten, streng, resch + Stoff

COR RÖMIGBERG Cabernet Sauvignon 2000
leichtes Stinkerl wie Bordeaux, stoffig

COR RÖMIGBERG  06
360-450 m  1985 angelegt, beste Klone 97 % CS + 3% Petit Verdot
Die Lage ist das Herz am Kalterersee. 20 Monate Barrique, Hälfte neu
süß und rund, ausgewogen.

Der größte Teil der Weine ist in der Vinothek Wagner erhältlich.

Zu den Notizen: Spontaneindrücke, einfach festgehalten. Was mir besonders gut schmeckte, bekommt ein Sternderl.

 

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