Erstes Achtelfinale im Floh Wein-Cup

23.01.2011

Feuersbrunn City gegen Röschitz Rangers: beim ersten Achtelfinale des diesjährigen Floh Wein-Cups war eine spannende Entscheidung zu erwarten. Allerdings auch eine Art Heimspiel - Christian und Simone Göttfried sind seit ihrer Zeit in Grafenegg so sehr an den Wagram gebunden, dass eine nicht unerhebliche Anhängerschar zum Anfeuern der Feuersbrunner nach Alkoven angereist war; das Team aus Feuersbrunn gab sich siegessicher, Röschitz aber ganz gelassen. Nach einem entspannten Aufwärmen bei Schremser Bio-Bier und der Apfel-Cuvée vom Reisetbauer ging es für die weit über 100 Gäste und die beiden Teams gleich zur Sache.

Runde 1: mariniertes Kalb mit Kamillengelée, dazu kräftig geröstete Brotstreifen.

Wein 1: helles gelb, sehr aromatisch, leichtfüßig. Angekündigt als „verführerisch, mittelgewichtig, knackig, jung“ vom jungen Bernhard Gschweicher.
Am Tisch wird überlegt: Sauvignon Blanc oder doch, da so leicht, Muskateller? Ich denke mir schon beim Hineinriechen: O je - einer dieser Weinviertler mit Sauvignon-Zuckerl-Noten, die zwar viele lieben, aber - Klon hin oder her: das ist Themenverfehlung und für mich einfach kein Veltliner. Er ist auch viel zu aromatisch und leicht zu diesem Gericht, kann gegen das leicht süßliche Gelée nicht bestehen. Das Tatar ist wunderbar, Rucola und zimtige Balsamicoreduktion geben allerdings zusätzlich einen kräftigen Aroma-Input. Da tut sich auch
Wein 2 schwer: der ist zwar intensiver in der Farbe, weicher und reif, hat Frucht und Schmelz; am Gaumen ist er sehr mineralisch, mit deutlicher Säure, die freilich wirkt etwas metallisch zum Essen.
Dennoch: 1:0 für Feuersbrunn, der Riesling Pfarrleithen 09 von Jo Bauer mit seinen 14% gewinnt vor einem 2010 Grüner Veltliner Urkristall mit 12%, Weingut Gschweicher. Ein leider verschenkter Punkt für Röschitz, dass muss man so sagen.

Runde 2: Blunzn und Hummer mit Karfiolpüree. Keine leichte Aufgabe für die Weine, das rahmige Püree würde nach eher fetterem Wein verlangen, und Blunzn (in ein delikates Stangerl gebacken) wie Hummer (vorbildlich weich) zu verbinden ist auch eine Herausforderung.

Wein 1: etwas heller, sehr elegant, strukturiert, mineralisch, mit Würze und Pfeffer - als Veltliner gut zu erkennen. Es fehlt ihm nur etwas das Fett für dieses Gericht, er ist aber ein überaus eleganter, stilvoller Wein -  und bei weitem nicht so wuchtig, wie er in der Vorstellung von Karl Ziß angekündigt war.
Wein 2: dunkler, auch in der Nase dichter, kraftvoll, Frucht sehr konzentriert, einige Mineralität; braucht Luft, dann verbinden sich Säure und Extrakte. Ist zwar auch nicht ideal zum Gericht, aber doch der Wein, der besser zu diesem üppigen Gang zu passen scheint.
Ein erstaunliches 1:1 würdigt die Qualität des Veltliners Hundspoint-Galgenberg 09 von Karl Ziß, der etwas fettere Veltliner mit dem Phantasienamen „Rose Grün“ 09 vom Weingut Reinberger kann sich nicht durchsetzen.

Runde 3: Zander mit Risotto. Süßer Grundton, der Risotto extrem kernig, mit Rotwein gemacht, Fisch perfekt unter kräftiger Kruste.

Wein 1: dunkel, fast gold, füllig, mit Schmelz - ein Wein, der mit Würze kommt, durch und durch balanciert ist und gut mit der Süße des Gerichtes kann.
Wein 2: sehr differenziert, fruchtig und mineralisch, mit eleganter Frucht, aber auch einiger Säure; ist zum Essen viel zu frisch, aber an sich ein sehr feiner Wein.
2:1 für Feuersbrunn: Otts Rosenberg 09 aus der Doppelmagnum passt nicht nur besser, sondern ist auch im Nachtrinken pure Freude. Der Urgesteinsriesling 09 von Weingut Stift ist als ganz anderer Weintypus da einfach auf verlorenem Posten.

Runde 4: Rücken (rosa) und Backerl (gedünstet)vom Bio-Ox mit Rahmpolenta und Rotweinschalotten. Christian Göttfried spart nicht an reichhaltigem Essen, die Sauce ist eine extreme Reduktion, das macht es nicht einfach für die Weine. Die Stimmung im Saal wird auch immer fröhlicher, die Detailaufmerksamkeit beginnt etwas nachzulassen.

Wein 1: kräftige Röstaromen und vordergründig weiche Frucht lassen den Wein spielerisch neben der Sauce bestehen.
Wein 2: elegant, fast filigran, etwas maniriert, für sich allerdings genial. Aber muss sich neben diesem Gericht etwas anstrengen.
Und doch: mit 2:2 wieder Ausgleich durch Röschitz, der Exzentriker Erwin Poller kann sich mit seinem eleganten Churchhill (Gamay, Syrah und Zweigelt) gegen den etwas simpler gestrickten Zweigelt von Bründy durchsetzen.

Runde 5: Maroni-Tiramisu mit Sauerkirscheneis. Zwei unterschiedliche Komponenten, dazu zwei sehr verschiedene Weine.

Wein 1: eindeutig Süßwein, goldgelb, elegant, eine feine Frucht, die das Dessert in seiner Gesamtheit auch trägt. Strahlend, fröhlich.
Wein 2: Rotwein, bewusst gewählt! Strenge Tannine, die hierzu noch trockener wirken, und der Wein wird zum Tiramisu dünner, als er eigentlich ist, streng und bitter.
Mit dem Kirschsorbet gehen durchaus beide Weine, zum Tiramisu aber bedarf es eindeutig der Süße der TBA  Chardonnay Hinterholz 2009 von Gruber. Dennoch gewinnt - Heimvorteil - der Cabernet Sauvignon 2006 von Anton Bauer

Zwar gesteht der Feuersbrunner Kapitän Bernhard Ott im Nachhinein: „I hätt‘n Süßwein g‘wählt“ - dennoch ist dieses Resultat auch ein Ergebnis der Modalitäten des Wettbewerbs. Denn „blind“ ist hier nicht wirklich etwas, die jeweiligen Winzer der beiden Teams präsentieren noch vor der Verkostung in einer nur dezent verbrämten Beschreibung ihren Wein - und damit sind Emotionen wie Sympathien leicht gelenkt.
3:2 also für Feuersbrunn, doch keinerlei Ressentiments jedoch auf der „Verliererseite“, denn schließlich ist ausgemacht: „Wer g‘winnt, ladn‘t den andern auf a gescheide Weinkost ein - für Erwachsene!“ (Jo Bauer)

Ganz großer Dank gebührt auch Christian Göttfried und seinem Team in der Küche, die für diese doch sehr zahlreiche Gästeschar ein begeisterndes Menü zubereitet haben!

Der nächste Termin steht schon demnächst bevor:
27. Jänner, 19 Uhr
Inter Gobelsburg vs. Lokomotive Neckenmarkt
in Döllerers Genusswelten/Enoteca & Bacaro

 

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