Foradori Nosiola Fontanasanta 09 Amphore

21.02.2011

Erstaunlichkeiten aller Arten: Die Erstverkostung dieses Weines fand im September 2010 am Weingut statt, eine Faßprobe. Denn der Wein kommt erst ungefähr im zweiten auf das Erntejahr folgenden Februar auf den Markt. Ich hatte eine gefüllte Probe auch mit nach Hause genommen, nicht wirklich richtig verschlossen. Beim ersten Öffnen, erst sehr viel später, war da zunächst ein unangenehmer Ton, "oje" dachte ich, zu spät; am Gaumen freilich erschien der Wein in gewohnter Frische, mittleres gelb, leicht trüb im Glas. Am nächsten Tag: keine Fehltöne mehr, auch nicht im weiten Burgunderglas.

Etwas braun gewordene Apfelschale, oder Erinnerung an den aufgeriebenen Apfel, den die Mutter zubereitet hat für die jüngeren Geschwister und der so schnell braun geworden ist. Aber ohne den Honig, der damals drin war. Vielmehr mit frischer Säure, wie im grünen Apfel, aber die geht sofort über in eine „Kernerfahrung“, also etwas, das ans Zerbeissen von Marillen?Mandel?kernen erinnert, etwas diffus Nussiges hat. Der Wein vibriert in aller Lebendigkeit, von der Zungenspitze über den Gaumen, ein eindrucksvolles mid-palate-Erleben mit zarten Gerbstoffen und ebensolcher Mineralität. So richtig wirkt er als Essensbegleiter, schmiegt sich in dieses Gesamterleben hinein, mit einem schönen Säurebogen, vorne salzig, immer intensiv.

Zur Arbeit mit den Amphoren

Nach Rudolf Steiner ist Ton, der Stoff, aus dem Amphoren sind, die Verbindung von Kosmischem und Terrestrischem; für Elisabetta Foradori ist die Arbeit damit die natürlichste Weise, Wein zu bereiten, und eine logische Fortsetzung der konsequenten Arbeit in den Weingärten. Nosiola, eine alte Trentiner Traube, die viele Probleme mit der Identität hat und durch den Ausbau in Amphoren ein neues Profil gewinnt, wächst selbst auf Ton - dann auch noch in Ton ausgebaut muss sie ja geradezu zum Inbegriff dieser Erde-Himmel-Verbindung werden. Wie ja überhaupt Weißwein aus Amphoren die wesentlich markanteren Unterschiede zu herkömmlichem Faßausbau als Rotwein zeigt - allein das Vergären auf den Schalen der nur leicht gequetschten Trauben erklärt dies. 2009 war der erste Jahrgang dieses Weißweines; die spanischen Amphoren, von denen Elisabetta gleich 24 Stück erstanden hat, fassen 400 Liter und werden mit 350 kg entrappten Trauben gefüllt. Wichtig ist, dass die Gärung innerhalb von 2 Tagen startet. Wenn dies nicht von selbst geschieht, wird einfach Most eines anderen Weines hinzugefügt. Solange der Wein gärt, herrscht eine wunderbare Ruhe im Keller. Die Tongefäße werden mit Tüchern abgedeckt, täglich wird der Maischekuchen per Hand untergetaucht. Wenn dann die Gärung beendet ist, werden die Amphoren aufgefüllt und mit Edelstahldeckeln fest verschlossen, damit keine Oxidation stattfindet; der Most hat aber auch Schutz durch die Schalen, die über ihm schweben. Bis zum Mai bleibt er in den Amphoren, bis er klar, ja weiß ist, ganz ohne Schwefel: selbst nach 3 Tagen im Glas wird er nicht gelb. Erst die Umfüllung in Akazienfässer gibt ihm etwas Farbe. Die Maische wird leicht gepresst, die Schalen sind auch nach 8 Monaten immer noch perfekt!
Bei dieser Art der Arbeit ist freilich größte Genauigkeit vonnöten, von der Selektion der Trauben bis hin zur Sauberkeit im Keller. Dafür danken es die Weine mit einer neuen Qualität, Eleganz und Trinkbarkeit, mit einer Intensivierung all dessen, was aus Boden und Klima in den Trauben gespeichert wird und in den Händen der Winzerin seine perfekte Form findet.

Schließlich trinkt man Wein nicht nur, sagt Elisabetta, er muss gute Gefühle erzeugen, man muss den Charakter, die Rebsorte, die Erde, das Leben in ihm spüren.
Der Nosiola Fontanasanta braucht viel Luft und sollte bei 15 Grad serviert werden. 

Fontanasanta Nosiola 2009 Vigneti delle Dolomiti IGT 13%
Nosiola 100% Fontanasanta im Hügelland von Trento
2 Parzellen von 2 Hektar Größe,
Lehm- und Kalkböden
8 Monate Maischegärung in Amphoren, anschließend 2 Monate Reifung in Akazien- und Eichenholzfässern
8,000 Flaschen jährlich

bereits erhältlich bei VINATUREL

Mehr zu Elisabetta Foradori und zur Erstverkostung des Weines auch hier
Die Abbildung der Nosiola-Kristallisation stammt aus der Beilage zum VINUM 1/2 2011 „Weinreise Biodynamie“, einem Sonderheft von VINATUREL.

 

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