Drittes Achtelfinale des Floh Weincup: Verwunderung und Freude

28.02.2011

4:1 für Eintracht Kitzeck gegen Torpedo Purbach, ein so eindeutiges Voting im dritten Achtelfinale des Floh Weincup machte Staunen. Und kaum war das doch sehr überraschende Ergebnis online, schwirrten schon die Vermutungen und Unterstellungen durch den Raum: „Quel catastrophe!“ war ja noch elegant formuliert, „Schiebung? Bestechung?“ ging schon mehr ans Eingemachte, und „Formschwäche“ konnte den Purbachern gewiss nicht nachgesagt werden. Es war vielmehr eine Summe einzelner Komponenten;

vom Heimvorteil, der trotz großer Kitzeck-Gefolgschaft maximal für ein 3:2 hätte reichen dürfen, über die Unterschätzung von Publikum wie Gegner bis hin zur etwas ungeschickten Weinwahl des Leithagebirge-Teams (bei den Desserts 2 wertvolle Punkte verschenkt!) rangiert meine Analyse. Wohl aber wurde es ein spannender und kulinarisch bemerkenswerter Abend, war doch mit dem Steira Wirt in Trautmannsdorf eine herausragende Spielstätte gewählt worden. Richard Rauch machte es den teilnehmenden Teams nicht einfach, mit der getroffenen Weinauswahl zu reüssieren, schon beim ersten Gang hätte man eher an Sake als an Weißwein gedacht. Aber hier alles der Reihe nach:

Runde 1
Vulkanland-Hirtenrind Rettich/Kren/Sprossen
Die Schwierigkeit für die Weine bestand darin, dass das zart gebeizte Rindfleisch in eine kesse Rettichrolle gewickelt war, mit Senfsauce, Kressesprossen und Radieschenscheiben eine zusätzliche intensive Garnierung erhielt und damit alles andere denn das Fleisch für den Geschmack zuständig war. Sowohl ein durchaus vordergründiger Sauvignon blanc als Wein 1, der von vielen für den Steirer gehalten wurde, als auch ein eleganter Weißburgunder taten sich schwer, und erstaunlicherweise setzte sich Wein 2, ein Weißburgunder 2010 von Rainer Hack, gewachsen auf Sausaler Schiefer, mit 41 zu 29 Stimmen durch gegen den Sauvignon blanc 2010 von Robert Gmeiner durch, dessen prickelnde, grasige frische mit Apfelnoten offenbar weniger geeignet schien. Ich habe, abseits vom spontanen Sakewunsch, ebenfalls dem Weißburgunder mit seiner reifen Fruchtintensität am Gaumen als Wein an sich den Vorzug gegeben.

Runde 2
Steinbutt Karfiol/Butterbrösel/Trüffel/Wachteleier
Schon von den Zutaten her ein intensives Gericht, das auch in gekonnter Perfektion auf die Teller kam: perfekt gegart und von lockerem Karfiolschaum überzogen, mit einer sämigen Karfiolcreme zur Seite, aromatischen Scheiben vom schwarzen Trüffel, einem netten pochierten Wachtelei ohne eigentliche Funktion, Romanesco-Röschen als harmonisches Dekor und einem Anflug von Butterbröseln zwischen Fisch und Schaum. Wein 1, reif, reich, mit satter Frucht, eingebundenen Holznoten, mit raffiniertem Spiel und einiger Eleganz, entpuppte sich als Leithaberg 2009 Chardonnay von Birgit Braunstein, in einem 500l-Fass zu dieser Ausgewogenheit gebracht. Wein 2 wirkte vergleichsweise jung, mit spürbarer Säure, Frische in Nase und Gaumen, etwas Mineralität, aber mit sehr starken Holznoten, dass man sich größeres Glas und mehr Luft gewünscht hätte - und war doch der ältere Wein, ein 2005 Chardonnay Elite aus der Lage Edelschuh von Gerhard Wohlmuth. Aus der Magnum. Weder Steillage noch karger Schieferboden noch späte Ernte nützten diesem in kleinen Fässern vergorenen und gereiften Wein etwas, er war zu leicht für den Karfiol und zu holzig für den Fisch, und der cremigere Leithaberg brachte den Ausgleich.

Runde 3
Johann-Freilandschwein geräucherte Topinamburcreme/Rettich/Popcorn
Schon wieder Rettich, werden Sie sagen, aber das Schwein, das ein glückliches freilaufendes Leben in der unmittelbaren Umgebung hatte, hält diesen - geraspelt, mariniert und mit Schwarzkümmel bestreut, im Zaum; da war ja auch noch dieses betörend intensive Topinamburpüree, ganz zu schweigen von den Schwartel-Popcorn, und alles miteinander ergab ein überaus stimmiges Gericht. Ein Fall für Rotwein, müssen sich die Purbacher gedacht haben und schickten als Wein 2 Toni Hartls Cabernet Sauvignon Felsenstein 2006 ins Rennen, der am Gaumen zunächst weich, rund und jung ist, dann Säure, Frische und Mineralität offenbart und zu diesem Gericht trotz 30 Monaten im Fass einfach zu jung und zu scharf war. So ging er denn auch mit 27 gegen 46 (sic!) Stimmen unter gegen die Weinüberraschung des Abends, einen wunderbar reifen Sauvignon blanc 2008 von Werner Schwarz, der mit dichten Spargelaromen, einer intensiv gemüsigen Nase, aber auch dichter Aromatik am Gaumen sowie mineralischer Eleganz perfekt zum Essen passte. 6 Monate auf der Feinhefe, ein Jahr später gefüllt - Schwein gehabt, die Kitzecker gingen 2:1 in Führung.

Runde 4
Lauwarmer Frischkäseschaum getrocknete Winterfrüchte/Blaue Kuh
Ein angenehm warmer Käseschaum im Glas, darunter die Stücke von Trockenfrüchten, nur die Marillen etwas vordergründig zu erkennen, und fein geschabter Doppelschimmelkäse darunter gemischt, das Ganze mit einer knusprigen Brotscheibe abgedeckt: ein schönes Käsedessert und wie prädestiniert für aromatische Begleitung. Doch als Wein 2 kam frisch Sprudeliges mit süßherbem Apfelduft ins Glas - ein Sekt aus Neuburger und Chardonnay von Dr. Bichler, an sich ein anmutiges Getränk, aber in diesem Zusammenhang gnadenlos mit 53:16 geschlagen von Wein 1, einem intensiven, angenehm dichten, frischen wie auch von süßer Reife mit dezenter Botrytis charakterisierten Muskateller 2004 Elite, eine Wohlmuth-Rarität. Mit diesem 3:1 war das Match eigentlich schon gewonnen, doch da war noch

Runde 5
Dessert von Schokolade/Haselnüssen/Hagebutten
Gefertigt aus Zotters Schokolade für die Küche, mit Haselnüssen, schwarzen Nüssen, Hagebuttenmark und -sorbet kunstvoll arrangiert, war das natürlich der Süßweingang. Und so standen einander gegenüber: als Wein 1 ein bernsteinfarbener, spannender Saft, schon sehr gereift wirkend, aber gut zur Schokolade passend - der 2001 Traminer Eiswein von Stefan Schauer, und als Wein 2 rot, jung, süß, eindeutig gespritet, scharf im Alkohol, mit einigem Gerbstoff das, was Thomas Schwarz als „typisch in Farbe, typisch für Rebsorte, nur untypisch im Alkohol“ angekündigt hatte, die Vindemia 06, ein Blaufränkischer in Port-Manier. Wohl noch zu jung für diesen Einsatz, irgendwie unrund, grad im Vergleich mit dem satten Eiswein.

So kam es also zum 4:1 für Kitzeck; beim anschließenden Erkunden des Steira Wirt-Weinkellers, der in der Obhut von Sonja Rauch steht, gab es noch Vulkanland-Weine: Pinot Noir von Neumeister, Frauwallners Eruption und abschließenden Champagner - weil ein bissl fremd gehen ja nicht unbedingt schadet.

Dank an Schiedsrichter Floh für die weise Widmung „Kritik ist kostenlose Beratung“, und es sei noch auf das vierte Achtelfinale am Donnerstag 4. März in Podersdorf verwiesen, wo in der Dankbarkeit Atletico Illmitz gegen Arsenal Gumpoldskirchen antreten.

 

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