Pannobile and friends im Weinwerk Burgenland

16.05.2011

Pannobile hat geladen, viele kamen. „Welche Ehre, dass ich da sein darf“ war, voller Dankbarkeit, aus so manchem Winzermund zu hören. Dankbar durften aber in erster Linie die Gäste im Weinwerk sein, die nicht nur neue oder aktuelle Weine der Pannobile-Winzer verkosten konnten, sondern denen auch eine Entdeckungsreise durch die anderen Weinregionen geboten wurde. Moritz Herzog, den Organisator des Abends vom 13.5., hat die Wahl getroffen, eingeladen, wer „über den Tellerrand zu blicken versteht“ und damit gut zum Pannobile-Profil passt. All diese WinzerInnen mit ihrem jeweils besonders markanten Zugang  zum Weinmachen trugen gewichtig zur Dichte dieses Verkostungserlebnisses bei - und fühlten sich selbst unglaublich wohl in der Kollegenschaft:

Alphart, Anna & Martin Arndorfer, Fritsch, Knoll, Niki Moser, Dorli Muhr, Sepp Muster, Neumayer, Christoph Neumeister, Uwe Schiefer, Thomas Schwarz (Kloster am Spitz), Franz Strohmeier, Weninger, Wieninger, Zull. Und wie immer gab es einige Weine, die sich im ohnehin schon sehr hohen Gesamtniveau durch besondere Persönlichkeit hervortaten. Verkostet hab ich nicht alle Weine, aber viele; was hier nicht vorkommt, ist deshalb nicht unwürdiger (vielleicht kommen irgendwann noch Ergänzungen), die Reihenfolge ergab sich aus dem Rundgang. Und es gibt halt besondere Lieblinge ✭

Kloster am Spitz: Sowohl Muschelkalk 2009 (CH, PB) als auch Muschelkalk Reserve 2009 (CH) bestechen durch Intensität, Geschmeidigkeit, aber auch Pikanz und tolle Struktur, wobei der „Weiße“ (Farbe der Kapsel), die Reserve, mit zarten floralen Noten und geradezu prickelnder Lebendigkeit noch überzeugender wirkt.
Eisner 2007 (BF) vom Muschelkalk. Leichte Nadelholzwürze, helle Frische, leichtfüßig, erfrischend. Ist kälteste Lage.
Rohrwolf 2007 (BF) Feine Süße, frische Frucht, leicht bei struktureller Intensität - nur 12,5% vol! Aus der heißesten Lage.

Franz Strohmeier hat seine Weißweine der Linie „Traube Liebe Zeit“ mitgebracht, schwefelfreie Experimente in bereits drei Jahrgängen.
2007 ist Weißburgunder mit etwas Chardonnay, weiche Nase, noch immer ein feines Stinkerl am Gaumen (anfangs schienen diese Hefenoten überhaupt nicht wegzugehen), mit unglaublicher Frische und Pikanz.
2008 war hier das reifste Jahr, 100% WB, 14%, die man nicht spürte. Trüb (das werden diese Weine mit der Zeit; je reifer die Trauben, umso mehr Trübung), viel Kräuterwürze, sehr lebendig, zarte Fülle; geht mit Luft unglaublich auf, gewinnt an Intensität und Schmelz. Im Augenblick der schönste der Serie.
2009 wieder WB mit 10% CH, 13%, ebenfalls feine kräutrige Würze, etwas feiner und heller in der Aromatik.

Nittnaus: Heideboden weiß 2010 (PB) hat eine (andernorts viel diskutierte) leichte Sauvignonnote, ist auf jeden Fall „aromatisch abnormal“, wie der Standnachbar sagt. Eine sehr kühle Aromatik, die durchaus dem Jahrgang geschuldet sein könnte, saftiger Pfirsich, viel Säure, Frische und Süffigkeit.

Christoph Neumeister hat schweren Herzens alle Lagen in den Sauvignon blanc 2010 Klassik gepackt, eine schwere Entscheidung, die diesem Wein aber sichtlich gut tut: einen solchen SB Klassik wird es so bald nicht mehr geben! *unbedingte Kaufempfehlung* Dicht, reif, mit großer Saftigkeit, Würze, innere Dichte. Die Lagen wurden separat ausgebaut, zumeist in altem großem Holz, 5 Monate auf der Hefe.
Auch SB Moartfeitl 2009 zeigt sich saftig, mit hoher Reife, das Holz dezent in den Wein gepackt, ein runder, lebendiger Wein.
MO Moarfeitl 2008, Spontangärung, 300l-Fässer. Die Trauben kommen aus einem späten Garten, der Wein ist wunderbar balanciert und elegant, macht einfach Freude.
(Zwischenbemerkung: ebenso Freude macht, diesem ruhigen, überlegten jungen Winzer, der so angenehm spricht, zuzuhören.)
SB Alte Reben 2008 ✭ von 50- und 70jährigen Rebstöcken. Sehr steiler Garten mit Stockkultur, karger Boden, kühle Mineralität. Ein Wein, der immer feiner und eleganter wird. Sehr spannend.

Sepp Muster: Der biodynamische Pionier aus Leutschach unterzieht den Morillon Graf 2008 einem ersten Präsentationstest. Sofort ist klar: die kleinen Degustationsgläser reiche da nicht, das ist - ebenso wie die anderen - ein Wein für große Burgundergläser, der braucht Luft. Und Zeit. Orangenzesten, Frische, Lebendigkeit, fein ziselierte Säure.
Sgaminegg 2007 ✭, der Wein aus dem Lieblingsgarten, hat auch das Zeug zum Lieblingswein. Lieblingsgarten deshalb, weil der die wenigste Arbeit macht, da geht fast alles wie von selbst. Und Lieblingswein, weil er schon beim Hineinriechen unglaubliche Ruhe ausstrahlt, die freilich dann von lebendiger und durch Gerbstoff getragenen Struktur ergänzt wird.
ZW Graf 2006 ✭ Der aktuelle Jahrgang! - sagt eh schon alles. Ein Wein, der an Piemont erinnert, sehr herbe Frucht, etwas verschlossen, delikate Säure, ordentlich Gerbstoff, kirschig, einfach erstaunlich, gar nichts Weiches. Ach :)
In Zukunft will Sepp Muster noch weniger Schwefel verwenden, dann sollten die Weine nicht so zu machen, sagt er.

Bei Gernot Heinrich stürzen sich die Leute meist auf die Rotweine, ich aber mach seine Weißen sehr. Der Neuburger Kurzberg 2009 hat nussige Frische, ist kraftvoll und lebendig; im WB Leithakalk 2009 kommen noch Saftigkeit und Mineralität hinzu.
BF Alter Berg 2009 Etwas Marzipan in der nase, viel Kirschfrucht, geschmeidig, sehr saftig und voll und rund, Heidelbeerkompott.

Niki Moser: drei Weine vom Gebling, GV 2010 wurde aus zwei Tanks cuvettiert, einer davon mit Malolaktik. Hell, sehr lebendig, viel Frische. CH 2010 Gebling mit reifer Nase, straff, frisch, einige Würze.
Riesling Gebling 2009 ✭ (der 10er kommt erst im September) hat 11 Monate gegärt, ist erst seit November im Verkauf. Verführerisch mit dichter Frucht, hoher Reife und Geschmeidigkeit - einfach herrlich jetzt.

Andreas Gsellmann arbeitet konsequent an der eigenen Linie. Dem Traminer 2009 ✭hat er 10% Riesling hinzugefügt, was aromatisch gut kommt. Es ist sein erster eigener Weißwein, trocken, nicht allzu vordergründig aromatisch, sehr saftig und auch ein Wein mit Potential; er sollte mit den Jahren ruhiger werden, bei bleibender Spannung. Wunderbar als Speisenbegleiter und mit 11,- € auch eine Kaufempfehlung!

Fritsch: 2010 vom Feinsten! GV Steinberg 2010, erstaunlich sanft, mit frischer Würze und Pikanz.
GV Schlossberg 2010, 13,1% vol, 7,5‰ Säure, 5g RZ. Sehr reif, Extraktfülle, Frucht, saftige Lebendigkeit, Balance.
Riesling Mordthal 2010, 7g RZ, 8‰ Säure. Verhaltene Nase, Frische, Lebendigkeit, animierend, guter Trinkfluss - wurde erst am 28.4. gefüllt, muss sich erst noch beruhigen. Ach und der Name der Lage: es ist eine Kessellage, hier wurden Mammutzähne gefunden - man nimmt an, dass die Tiere hier zusammengetrieben und erlegt wurden. Am Beginn der fleischlichen Nahrung steht eben Mord, gell?
Riesling Kapuzinerberg 2010 ✭ Heuer halbtrocken, 12,6% vol, 9‰ Säure, 16g RZ. Ungemein viel Pikanz, kräutrige Aromen, flutscht wunderbar. Balance ist halt alles.
PN 2009 Fassprobe ✭ und eigentlich schon aus, es gab nur 1 700l Fass, also 1000 Flaschen, Ganztraubenpressung. Erst Piniennadeln, mit Luft dann Erdbeer/Himbeerfrucht, sehr leichtfüßig, elegant, mit Zug.

Anna und Martin Arndorfer zeigen nicht nur im Auftreten, sondern auch bei den Weinen Stilgefühl. GV Weinberge 2010 ✭ („Weinberge“ bedeutet immer aus ältesten Reben in besten Lagen): viel Geschmack bei verhaltener Nase, Pikanz, Frische, Saftigkeit, Würze, reif.
Riesling Weinberge 2010 Frisch, kernig, saftig, lebendig, feine Frucht, Länge mit Säurespitzerl am Schluss, bleibt lang haften.

Alphart Rotgipfler Rodauner 2010 dezente Exotik, reifer Apfel, leicht Pikanz, immer ein köstlicher Wein.
CH Teigelsteiner 2009 ✭ Weich, mit Würze, unglaublich reif, aber dennoch feine stützende Säure - Karl Alphart hat einfach gewartet mit der Lese, bis die Beeren Wangerl wie reife Äpfel hatten. Und so gibt es auch einen feinen Apfelnachhall, mineralisch-salzige Noten. Der Wein war nur kurz im Holz, kam dann wieder zurück in Edelstahl. Das Geheimnis ist einfach die Reife der Trauben.
Rotgipfler Rodauner Topselektion 2009 Geschmeidig, exotische Würze, ein satter, in sich ruhender Wein - ein Buddha mit leicht bitterem Schalk in der Hinterhand. Es gab von diesem Wein auch 2007 - natürlich gereifter, auch fülliger in der Aromatik, mit etwas mehr Säurepikanz.

Dorli Muhr Durchgängig Weine, die einfach wunderbar sind! In New York wurde ihr gesagt; „Darauf haben wir gewartet“!
Carnuntum 2006 ✭ Kühle Noten, erinnert zunächst ein bissl an Krautfleisch, mit Luft kommt auch Frucht; elegante Würze und Leichtigkeit. Saftig, süffig, ein Wein, der Ernst und Freude zugleich ausstrahlt.
Carnuntum 2008 Magnum Nadelbaumwürze mit Kirsche, saftig, süffig, etwas kantiger noch, markantere Tannine.
Spitzerberg 2008 hell, frisch, leicht rauchig, sehr delikat und fein, sanfte Würze.

Weninger Spern Steiner 2007 BF Mineralisch, etwas adstringierend, viel Spannung
Raga 2006 ZW ✭ Der würzige Zweigelt-Typ, mit Gerbstoff, Kraft und Struktur, ein Wein, der ewig hält.

Was mir auch auffiel: dass bei vielen Weinen vorn am Etikett nur noch die Lage steht. Damit bekommt der Wein schon seine eigene Persönlichkeit. Dass diese Veranstaltung auch noch durch stimmschönen Jazz unterlegt worden war, trug ebenso zu einem „sehr zufrieden mit der Gesamtsituation“ bei. Danke!

 

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