WineVibes Vol 1

23.11.2011

WineVibes, schlampig ausgesprochern, klingt ein bissl wie „Weinweibs(en)“, das mögen zwar nur Österreicher und vielleicht noch Bayern verstehen, aber wäre das rustikale Pendant zu „Weinweibern“. Es war es freilich keine explizite Weinfrauenveranstaltung, die da letzten Samstag die Münchner Nacht aufzumischen versuchte, aber Weinfrauen waren zur Genüge da, angefangen von der Veranstalterin Julia Klüber über einige Winzerinnen bis hin zu all den Frauen unter den hocherfreuten und überaus motivierten Gästen. „Gutes junges Publikum, das sich auskennt“ stellte denn auch Dorli Muhr fest, die mit ihren „Carnuntum“-Magnums elegantes Trinkvergnügen vom Blaufränkischen beisteuerte. „Es ist wie ein Klassentreffen“ meinte wiederum Alwin Jurtschitsch, einer der österreichischen Winzer auf diesem ersten, durch und durch von good vibrations durchzogenen WineVibes-Event - eine Verkostung der etwas anderen Art, wo allein schon die Höhenlage der Sky Lounge dazu angetan war, jegliche Steifheit zu verbannen; die guten Aussichten waren freilich durch bösen Nebel verstellt.

Mit dem Klassentreffen meinte Alwin die Tatsache, dass er hier auf einige gemeinsame Freunde aus seiner Deutschland-Zeit traf, zu der sowohl Julia Klüber gehört, aber auch der Koch, der für (leider viel zu wenig) erlesene Kleinigkeiten sorgte. Schon nach einer halben Stunde war Stimmung drin, obwohl die eigentliche Party erst nach 22 Uhr begann. Denn es bedurfte doch einiger Zeit, um sich durch das neben den Partyweinen mitgebrachte Sortiment zu kosten: ein paar neue Etiketten (ich nehme an, nicht nur für mich), ein paar flotte Etiketten, die Weine nicht alle so flott wie man hätte erwarten mögen, aber frau konnte sich, neben vielen wirklich herausragenden Flaschen - da hat sich so mancher nicht lumpen lassen - auch über solide gediegene Gewächse freuen, Schüttweine inklusive. Ja ja, ich weiß schon, Snob und so, diesen Zustand des Verwöhntseins bringt halt das Leben so mit sich im Lauf der Zeit.

Finkus Bripp zog seine Videorunden, das wird hoffentlich bald zu sehen sein, man sprach und trank und trank und lachte, und als DJ Rainer Trüby in seinen formidablen Plattenfundus griff, waren einige schon sehr fröhlich, das Tanzfieber ergriff nach und nach auch die Beharrlichsten der Steher. Der Hit war zu späterer Stunde die Currywurst, die zwar eine leise Ösi-Kritik auslöste, aber wer braucht bei solch einer Veranstaltung schon Frischkäsekugerl und andere Kleinfeinheiten?

Ein kurzer Spaziergang durch‘s Angebot der Nacht samt Schnappschüssen; die Weinerwähnungen sind Augenblickssympathien:

RHEINGAU
Theresa Breuer/Weingut Georg Breuer: sie liebt die spannungsgeladenen Jahrgänge, die mehr für Winzer gemacht sind, wie 08 oder 2010, 09 sei eher konsumentenfreundlich gewesen, meint sie. Und so schmeckt auch der 09 „Terra Montosa“ Rheingau Riesling von steinreicher Lage mit seiner klaren Frucht und zupackenden Mineralität auf Anhieb.
Dirk Würtz/Weingut Balthasar Ress: „Ich brauch keine Kunden, ich brauch Sympathisanten“ - und die hat der Winzer-Blogger-Autor auch reichlich. Herrlich kompromisslos der 2010 Rüdesheim Berg Schlossberg Riesling.

RHEINHESSEN
Ina Metzger & Jürgen Hoffmann/Fritz Müller: Die Perlweine hab ich ausgelassen - „Fritz Müller“ generiert sich übrigens aus „Frizzante“ und „Müller Thurgau“! Deshalb Jürgen Hoffmanns 2010 Gutsriesling, fruchtig, süffig mit Charakter, guter Preis mit ca 8€.
Johannes Thörle/Winzerhof Thörle: Silvaner, Spätburgunder, Riesling aus Saulheim, da passt alles; am eindrucksvollsten aber war der 2010 Probstey Riesling aus heißer Südlage.
Marie & Johannes Hasselbach/Weingut Gunderloch: Klar, kennt man. Einfach gut. Die beiden haben aber sogar ein Großes Gewächs mitgebracht, den 2010 Pettenthal Riesling, intensiv, differenziert, absolut elegant. Danke!

NAHE
Georg Rumpf/Weingut Kruger-Rumpf: Der fröhliche, leichtfüßige Weiße Burgunder 2010 war ein super Partywein; sehr schön und strukturiert aber auch der 2010 Binger Riesling trocken.

FRANKEN
Melanie Stumpf/Weingut Bickel-Stumpf: Die Schwester vertritt den Bruder, und auch wenn sie als „Medienagentin“ gute Figur macht, so fehlt sie doch im VDP-Team ... Super: der 2010 Silvaner „Muschelkalk“ - würzig, frisch klar.
Paul Weltner/Weingut Weltner: Der Charmeur kann wirklich Wein machen und hat nur Gutes mitgebracht - 2010 Rödelseer Küchenmeister Riesling Kabinett, 2010 Rödelseer Küchenmeister Weißer Burgunder - ja, das ist Weißburgunder!, und dankenswerter Weise auch einen 2007 Küchenmeister Sylvaner Großes Gewächs - Freude! Hochreif und gereift, intensiv, mit Spannung. Knickserl ;)
Benedikt Baltes/Weingut der Stadt Klingenberg: Ich gestehe - da war ich nicht aufmerksam. Aber die anderen haben gesagt, dass der 09 Klingenberger Spätburgunder gut war.

PFALZ
Markus Hinterbichler/Weingut Hinterbichler: Die österreichischen Wurzeln im jungen Mann sind unverkennbar; die Weine (Riesling, Sauvignon Blanc, Chardonnay) sind preiswert, publikumsfreundlich, ein bissl laut in der Aromatik (also für mich) - aber das scheint zu gefallen.
Sebastian Winterling/Wein- & Sektgut Winterling: 70-80% Sekterzeugung, Crémant Pfalz klingt schon gut, was? Der Rosé Brut vom Pinot ist denn auch ein wunderbar fruchtiger Sprudel, die 2010 Ruppertsberger Linsenbusch Riesling Spätlese trocken mit ordentlich Säure pfeift auch ordentlich.

MOSEL - SAAR - RUWER
Flo Busch/Clemens Busch: 2010 Marienburg Riesling Großes Gewächs, keine Frage. Einer der besten Weine des Abends. Roter Schiefer als Partywein aber auch nicht schlecht!
Reece Hornibrook/Weingut Römerhof: Ein Australier an der Mosel - das funktioniert, saubere geradlinige Weine, wie sich‘s gehört.
Max von Kunow/Weingut von Hövel - Saar: Hmm, der junge Herr hat neben frischen Scharzhofberger Rieslingen einen besonderen Leckerbissen mitgebracht - 1999 Oberemmler Hütte Riesling Auslese! Jugendliche Eleganz, die dieser „reife Knabe“ mit sich bringt!

BADEN
Alexander Ultes/Weingut Kiefer: Eine solche Etikettensprache macht verdächtig - „Schmetterlinge im Bauch“? „Mit den Wolken ziehen“? Sind wir da bei Dieter Thomas Heck? „Innovation“ mag ja noch angehen, aber „Prachtstück“? ABer die Weine sind ok, sogar sehr ok, die Cuvée aus RR, SB und Rivaner, die mit den Wolken zieht, ist eine taugliche Alternative statt Muscadet zu Meeresfrüchten!

KAMPTAL
Stefanie Hasselbach & Alwin Jurtschitsch: 2010 Loiserberg Grüner Veltliner 1. Lage als Partywein ist nicht von schlechten Eltern und mehr als großzügig, und der Grüne Veltliner aus der Lage Lamm versöhnt voller Schmelz endgültig mit dem Jahrgang. Auch wirklich gut: 2007 Pinot Noir - der war zunächst wieder aus dem Verkauf genommen worden und wird erst jetzt langsam!

SÜDSTEIERMARK
Hannes Sabathi/Weingut Sabathi: Sauvignon bis zum Abwinken, alles aus Großflaschen, und als „Drüberstrahra“ der 2003 Jägerberg Grauburgunder - bester Rotweinersatz zum Essen!

CARNUNTUM
Dorli Muhr/Weingut Muhr-van-der-Niepoort: ME-CF-PV-Malbec sind nicht gerade typische Carnuntum-Rebsorten - die „Rote Erde“ 08 schmeckt aber auch nicht nach Österreich, der hat vielmehr so eine ... Portugal-Nase? Und erst die beiden Syrahs, 08 und 07! - letzterer mit unglaublicher Pfefferwürze, very spicy, ja auch so kann Rotwein aus Österreich sein. Gewusst wie ;)

NEUSIEDLERSEE
Christian Tschida/Weingut Tschida: Irgendwann ist der Christian mit seinen Magnums wie mit Babies herumspaziert und hat nachgeschenkt - aber „Dark Side of the Moon“ hat der Trüby, solang ich da war, nicht gespielt. Tschidas dunkle Mondseite ist jedenfalls sehr spicy, das macht der Cabernet Franc, der den Zweigelt herausreißt ;) Ich mag aber auch 2010 „Himmel auf Erden“, weiß, mit Hrdlicka-Etikett - Säure, Frische, mineralisch straff. Und 09 „Domkapitel“ rot, aus den stärksten Fässern der Lage Kapitel, ein starkes Stück mit wenig Alkohol. Ich glaub, ich mag Tschida überhaupt. Aber so viel verschiedene Weine gibt‘s ja ned.

SÜDBURGENLAND
Christoph Wachter/Weingut Wachter-Wiesler: Vier mal Blaufränkisch, von den „Feinen Tönen“ als kantigem Partywein bis zum 08 Steinweg, das kann was: erst mit Röstnoten schmeicheln und dann knallhart mineralisch abgehen. Ja ja, die alten Lagen ...  Bloß nicht hören auf die Verkoster, die da sagen, die Weine hätten zu viel Säure!

CHIANTI CLASSICO
Rosario Camilleri/Castello di Ama: Irgendwie sehr schräg hier, auf einmal Toskana zu verkosten. Aber der wirklich nicht billige Chianti Classico 2007 als Partywein - das ist ja nicht wirklich g‘schlampert ...
GLAS
Unbedingt zu erwähnen: Christoph Hinterleitner als Vertreter für Zalto. Ich liebe es. Das Glas.
WASSER
Selters. Klassiker.
BIER
Schön schräg: Rittmayer aus Franken. Gutes Kellerbier, mein Favorit aber das aus dem Rotweinfass.

 

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