Buchertberg weiß 2009 Herrenhof Lamprecht

15.05.2011

Die gute Nachricht: der Wein ist gut. Die schlechte Nachricht: es gibt ihn nicht mehr. 
Über einen Wein zu schreiben, den es nicht mehr gibt, kling etwas seltsam, ist aber eines sicher nicht: müßig. Vor allem dann nicht, wenn der Wein, wäre er nicht schon getrunken, ein wunderbarer Mai-Wein wäre. Und auch ein Sommerwein. Allerdings nicht im üblichen Verständnis. Und sowieso ein Ganzjahreswein, der außerdem noch eine Zeit lang im Keller schlummern sollte. Außerdem: wo dieser Wein herkommt, gibt es demnächst neuen. Herrenhof Lamprecht. So ein Insider-Weingut (denn eine Listung im Gault Millau sichert keineswegs stürmischen Zulauf, schon gar nicht in einer entlegenen Gegend der Südoststeiermark), das dank der regen Blogging-Arbeit von Gottfried Lamprecht gut vernetzt ist. Ein Weingut im Aufbau, deshalb wird es in Zukunft auch mehr Wein geben - an der sukzessiven Erweiterung wird eifrig gearbeitet. Für die Leute, die diesen Wein kaufen wollen und lagern wollen und dann, wenn er so weit ist, freudig und dankbar trinken.

Aber welchen Wein nun? Es gibt Weißburgunder. Der 2010er ist schon gefüllt und verfügbar. Es gibt weiß und rot vom Buchertberg. 2009 aus, 2010 erst im Herbst. Es gibt den Hummergraben. Blaufränkisch. Ziemlich cooler Blaufränkisch, den konnte ich nur unter der Hand beim Abschlußfest der EWBC kosten. Auch aus. Also warten auf den nächsten. Allen Weinen zu eigen: in einem sehr spartanischen Keller vinifiziert. Eine alte Korbpresse wurde in mühseliger Handarbeit einen Winter lang selbst hergerichtet. Es gibt nur Holzfässer - 300-600 l. Alles spontanvergoren. Alles gut für die Weine, wie die Lage: hoch, südseitig exponiert, steil, Sandsteinböden.

Aber jetzt zum Mai-Wein, dem Buchertberg weiß 2009. Viel zu jung getrunken, das tut mir noch in der Erinnerung im Herzen weh. Gleich nach dem Öffnen der Flasche (Drehverschluss!) riefen die hefigen Noten ganz laut „Nicht jetzt schon, es ist zu früh!“. Aber da war‘s zu spät, also rein ins Glas. Ganz ehrlich: am ersten Tag kein wirkliches Vergnügen. Verschlossen, allerdings die Struktur schon gut erkennbar. Mit Frucht ist da sowieso nicht viel, Gottfried Lamprecht macht keine lauten Weine, ihm geht es darum, den Herkunftsausdruck zu fördern. Und die Mineralität von Opok und kalkigem Sandstein ist immer schmeckbar. Rebsorte? Nix da. Gemischter Satz. Kein Star im Vordergrund, alle müssen miteinander - WB, SB, GB, RR. (In den neu angelegten Weingärten werden viele alte Rebsorten gepflanzt. Das wird was, sag ich Ihnen! Dauert halt noch ...)

Am zweiten Tag strahlte der Wein bereits etwas mehr, am dritten noch mehr, mit Frische, Lebendigkeit, einer zarten, jedoch fordernden Haltung. Und als ich nach einer Woche noch einen Rest für gut ein Glas im Kühlschrank vorfand (wenn ich zwischendurch unterwegs bin, vergesse ich halt manchmal, was offen war), stand der noch immer perfekt da, untrügliches Zeichen für einen wirklich herausragenden Wein. Langsamer Langstreckenläufer, nichts für schnelles Vorübertrinken. Für die nächste Flasche, das verspreche ich, nehme ich mir viel aufmerksame Zeit. Denn Weine dieser Art verdienen Achtsamkeit.

Bis die neuen Weine soweit sind, können Sie ja ein paar Blicke auf Herrenhof Homepage und Blog werfen. Es lohnt sich.

 

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