Öko-Blogging: Weingut Andreas Hahn

21.02.2012

Weinbau gibt‘s im Hause Hahn seit 1794. So viel Tradition will erst einmal getragen sein, denn zu den 15 ha Weinbergen kommen noch 65 ha Ackerland im rheinhessischen Hochborn. Aber die Familie macht das mit viel Engagement und, seit 2007, auf ökologischem Weg. Kontrollierter Bioanbau mit Gespür für die feinstoffliche Ebene (Radionik gibt Unterstützung für die Energiefelder von Reben und Wein) und Sinn für Poesie - das lässt sich an der Homepage (nicht nur im Kapitel Texte; sie ist allerdings derzeit nicht auf dem neusten Stand) und der Wein- und Sektkarte mit bildhaften Kategoriebenennungen ablesen. Die Arbeit im Weingarten ist die für Qualitätswein übliche: das meiste per Hand, Laubschnitt, grüne Lese, in großen Teilen Handlese. Und dann weiter mit recht konventionellen Schritten: gekühlte Vergärung, für die besonderen Weine kleine Holzfässer, Aufrühren der Hefe.

Das Sortiment ist umfangreich, klassische Rebsorten als auch Kreuzungen neueren Datums, trocken, feinherb, lieblich, für jeden Geschmack ist da etwas dabei. Für die ecovin-blogger-Verkostung gelangten drei Weine zu mir von recht unterschiedlichem Charakter: der Pinoventura 2010, der Riesling trocken 2010 und der Chardonnay barrique trocken 2008. Letzterer ist laut Weinliste noch konventioneller Anbau, weshalb er also in diese Verkostung rutschte, ist nur mit dem Wunsch nach einem Prestigewein „von internationalem Flair“ in der Auswahl erklärbar.

Pinoventura 2010
Cuvée aus 40% Chardonnay, 31% Auxerrois, 29% Weißburgunder
Die Idee zum Wein entstand anlässlich der Inbetriebnahme der hauseigenen Windkraftanlage 1999.
Frische, angenehm milde Frucht mit reifer Aromatik; am Gaumen satte Empfindung, feine Würze im Hintergrund, im Abgang etwas leicht Bitteres. Geschmeidig, gefällig, von angenehmer Cremigkeit mit etwas Luft. Sehr süffig, dennoch fehlt etwas der Kick - unbedingt kalt trinken, sonst wird er zu flach. Eher kurz, aber erfrischend und unkompliziert. Das, was man gerne als „Terrassenwein“ bezeichnet - was keineswegs despektierlich sein soll. Verträgt auch ein größeres Glas! Der ansprechendste in der Runde.

Riesling 2010 trocken
In der praktischen Literflasche, damit‘s auch für den großen Durst reicht. Und das beschreibt auch schon den Wein: sehr zurückhaltend in der Nase, kleines Glas nehmen. Kräuternoten, sehr geradlinig, ohne große Schwankungsbreite. Markante Säure, sehr strikt, feine mineralische Würze. Ein solider Bursche, der als erfrischendes Getränk in fröhlicher Runde zu Diensten ist - da muss er keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Und angesichts des schmackhaften Preises von € 4,30 kann man nichts sagen ....

Chardonnay barrique 2008 trocken
Das Holz ist nicht zu übersehen - pardon, zu überriechen. 220 l Eiche für 9 Monate. Der Wein verträgt einiges an Luft, die ihm zwar nicht die markanten Holznoten nimmt, aber doch etwas von anfänglicher Schärfe und leicht medizinalen Aromen nimmt. Die süße Frucht wird etwas überdeckt, sie erinnert an Limonendrops, an die herrlichen Wiener Heller-Zuckerln meiner Kindheit. Diese Frucht wird von Holzwürze unterlegt, es ist auch viel Kühle im Wein. Am Gaumen geschmeidig und säurefrisch zugleich, mit zarten Noten von Weihrauch, etwas angekokeltem Holz, leicht gerbstoffig, und auch hier zarte Bitterkeit im Hintergrund. Als Speisenbegleiter erweist sich der Wein als schwierig, Säure und Bitter erfordern eine überlegte Wahl. Wenig balancierter Eindruck, die sehr rustikale Version eines fassgereiften Weines.

Weingut Andreas Hahn
Weedegasse 4  55234 Hochborn T 06735/1230  www.weingut-hahn.de

Bio-Blogging auf der ProWein

 

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