ProWein-Splitter 2012 ::1::

04.03.2012

Der Vortag der ProWein gehörte bislang immer den Bio-Weinen. Heuer hatte Jörg Linke, Münchner Weinhändler und Kulturmensch, unter dem Titel „Wein - Spiegel von Erde und Mensch“ ins Mutterhaus zu Kaiserswerth gerufen. Das Diakonissinen-Umfeld mag auf den ersten Blick etwas befremdlich wirken, doch, das alte Gebäude ist stimmungsvoll, die Räume großzügig, und angeblich kann man im hauseigenen Hotel auch sehr angenehm und einigermaßen naturumgeben wohnen. Viele der Winzer aus Linkes Programm und auch einige aus dem Portfolio von Kollege Tony van den Broeke in Essen waren gekommen - 51 an der Zahl insgesamt, dazu noch Peter und Mechthild Piepenbrock-Fischer mit Apero, und als Autoren Christina Fischer sowie Steffen Maus. Da ich immer noch mit einer ordentlichen Resterkältung unterwegs war, sah ich mir nur einige Empfehlungen an, vor allem kostete ich in die Weißweine der Gruppierung I Dolomitici.

Dieser Zusammenschluss einiger kleiner Winzer aus dem Trentino, die es gegen die großen Genossenschaften und Marken ebenso schwer haben sich durchzusetzen wie gegen die Vorurteile, in dem schottrigen Schwemmland wüchse nichts als billiger Massenwein, beweist, dass es sehr viel anders geht, und dass vor allem die Hänge in den Seitentälern für einige Überraschungen gut sind. Das alles wäre an Ort und Stelle selbst zu erfahren, doch erste Eindrücke von Nosiola oder Incrocio Manzoni zeigen nicht nur die Liebe zu autochthonen Sorten, sondern auch das Potential alpiner Umgebung - nicht umsonst hat sich die Gruppe die Dolomiten in den Namen geholt. "Mitico!", wie der Italiener sagen würde ;)

Aufgefallen sind vor allem die Weine von Maso Furli und Eugenio Rosi; Elisabetta Foradori kann ja als bekannt vorausgesetzt werden. Weitere Empfehlungen: Weißburgunder „Strahler“ 2010 vom Stroblhof, St.Michael-Eppan, oder die Chardonnays von Christian Zündel, Tessin. Nichts weniger als Coche Dury nennt er als sein Vorbild! Außerdem: Champagner Pierre Paillard aus Bouzy - die Millesime 2002 ist von ungemeiner Strahlkraft, aber auch Rosé und Blanc de Noir haben mir ausnehmend gut gefallen. Und eine Seltenheit in Bouzy, weil da kaum Chardonnay wächst: der 2007 Blanc de Blancs. Alle Flaschen haben den QR-Code am Etikett, der direkt zu fact sheet, aber auch Hinweisen zum Erwerb führt. So ist es richtig.

Am Abend lud Falstaff dann zur Big Bottle Party in Les Halles - eine wunderbar stimmungvolle Location in einer ehemaligen Lagerhalle, die Ursula Haslauer da gefunden hat; ab 23 Uhr etwas crowdy, aber da war ich dann schon weg. Mitzubringen waren Großflaschen, derer gab es dann auch reichlich, ich hatte Sepp Muster Morillon Graf 2003 beigesteuert, weil ich 14% vol. daheim eher nicht trinke. Die aber, wie der Kostschluck zeigte, nicht merkbar waren, dafür eine umwerfende mineralische Brillianz - der Jahrgang entwickelt sich! Spannend auch Martin ArndorfersGrenzenlos“, ein Veltliner Jahrgang 2005, der 5 Jahre im Stahltank auf der Hefe lag und dann erst gefüllt wurde. Frisch, klar, geradlinig, doch ohne jugendliches Ungestüm, grad so mag ich‘s. Christoph Bauer hat seinen Veltliner „Spezial“ 2011 mitgebracht, der mit seinen Werten grad nicht ins DAC-Konzept hineinpasst, zu kräftig für den klassischen DAC und auch nicht richtig für die Reserve. Wie überhaupt Jahrgang 2011 den Weinviertlern ein merkwürdiges Vorgehen beschert: aufgrund der hohen Reife auch von Basisweinen gibt es für den DAC eine 13%-Ausnahme, doch präsentiert werden dürfen bei der DAC-Tour nur diejenigen Weine, die sich an die Normalbestimmung halten. Das riecht, wie vieles am DAC-Konzept, einfach nach Bürokratie, nach Schreibtischarbeit, nach einer buchhalterischen Haltung, die dem, was sich aktuell in der Praxis ereignet (das gilt auch für andere Parameter), in keinster Weise gerecht wird.

 

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