V-MAX: Blaufränkisch-Beschleunigung?

20.01.2013

Die Abkürzung ist zwar logisch, aber vieldeutig und damit spielerisch-spekulativ: V-MAX ist in diesem Fall nicht Yamaha, also Motorrad, sondern Wein. Mittelburgenland. Maximum an Vitikult, Blaufränkisch auf die Spitze getrieben als „edler Terroir-Wein“, der sich “in die Reihe berühmter Herkunftsweine wie Brunello, Barolo & Co einfügt“ (Zitate aus dem Pressetext). Ziemlich viel Anspruch also, dem auch noch ein „mehr Blaufränkisch geht nicht“ hinzugefügt ist. Mit Worten wird so ein Bild von Wein geschaffen, das sich gut einfügt in die generelle Rezeption von Mittelburgenland: dicht, dunkel, konzentriert; in der Süße von Frucht, Holz und Alkohol verwoben.

Die Weingüter Gager, J. Heinrich, Josef Igler, Kirnbauer, Lang, Prickler, Reumann und Wieder, seit 2004 zum Verein Vitikult formiert, sind getrieben von der hehren Absicht, nicht nur, wie im „Vitikult“, klassische Blaufränkisch-Trinkfreude als Marke zu etablieren, sondern sich reinsortig auch dem großen Fach zu widmen, die Topwein-Tauglichkeit von Blaufränkisch als DER Rebsorte eines Gebietes, in dem sonst Cuvées die Oberliga bestimmen, unter Beweis zu stellen.

Trauben aus den besten Lagen, hochreif natürlich, von ältesten Reben und tiefgründigsten Böden, alles was sich für einen Premiumwein also gehört, ist auch im V-MAX, der 2012 nach 30monatiger Reifezeit, davon mindestens ein Jahr im Barrique, mit Jahrgang 2009 erstmals auf den Markt kam. „Diversität ist die Zukunft für uns Winzer. Wir müssen unsere Spezialitäten herausarbeiten, auf die Feinheiten unseres Weines aufmerksam machen“ sagte Stefan Lang, Präsident der Vitikult-Vereinigung, bei der winterlichen Präsentation im Leutascher Quellenhof. Damit meinte er zwar nicht die Diversität der Winzer, doch die wird selbst in einer so kleinen Gruppe von 8 deutlich.

Dichte Frucht, Intensität von Röstaromen und kraftvoller Alkohol charakterisieren allerdings die meisten Weine dieser Edition, auch wenn da und dort Säure und Mineralität zu Balance und Frische beitragen. An der Publikumstauglichkeit solcher Weine gibt es keinen Zweifel, und Zweifel an der eigenen Stilistik ist Winzern wie Markus Kirnbauer, Stefan Lang oder Horst Gager auch fremd - durchaus eine Form von Authentizität! -, selbst wenn man sich aufmerksam Diskussionen um einen neuen, transparenteren, leichteren Blaufränkisch-Stil stellt. Silvia Heinrich (bei diesem Event nicht dabei) geht zunehmend weg von konzentrierten, allzu süßen, holzbetonten Aromen in ihren Weinen, und Joe Igler, der (nicht zertifiziert) biologisch arbeitet, hat für sich selbst ohnehin den Anspruch eines Weines voller Lebendigkeit festgeschrieben, der ohne viele Eingriffe auskommt.

Polemik ist nicht ganz mein Fach, und es ist leicht, das Mittelburgenland generell, aber auch einzelne Winzer dafür zu belangen, dass sie hinter dem Trend der Zeit herhinken würden, dass sie an einer Weinstilistik hingen, die sich viel zu sehr in Üppigkeit und Konzentration ergeht, als dass Raffinement und Finesse, die gerade auch aus einer Rebsorte wie dem Blaufränkischen herauszukitzeln sind, anstrebten. Aber zum einen ist da ja die treue Stammkundenschar, die unter richtig gutem Wein einfach sehr „viel“ Wein versteht und die, wenn sie schon Geld ausgeben muss, dann auch mehr im Glas haben will als klare, wenig färbige, eher mineralische als fruchtige Weine. Und zum anderen ist das Bestreben, das Terroir - um diesen Begriff nun doch zu strapazieren - auszuloten, ein sehr aufrichtiges; es sind die besten Trauben für den jeweiligen V-MAX reserviert, und die lange Vinifizierungszeit bringt in jedem der Weine viel von dem mit, was man in einem Herkunftswein erwartet. Dennoch, und das wäre ja eine Möglichkeit für ein künftiges Programm, könne beim Holzeinsatz behutsamer vorgegangen werden; „neu“ und vordergründig sind nicht unbedingt ein zwingendes Paar - mehr Blaufränkisch also und weniger Powerwein.

Manche der Weine gab es schon lang vor V-MAX, etwa der „Joe“ von Josef Igler und jeweils eine „Grande Cuvée“ von Stefan Lang und Herbert Prickler. Das führte, im Verein mit dem Etikettenaufdruck „Mittelburgenland DAC“, zu eher unfreiwilliger Begriffsverwirrung, kennt diese DAC doch maximal „Reserve“, aber nicht die „Grande“ eines V-MAX. Und auch bei den Flaschen zeigt sich durchaus der individuelle Gestaltungswille für großen Wein: schlank und hoch von Kirnbauer und Lang, gewichtig von Prickler, im Burgunderformat von Reumann.

Kostnotizen, die nicht mehr als Momentaufnahmen von einem Hotel-Event sind, in aller Kürze (ausführliche Beschreibungen sind in den Factsheets auf der Vitikult-Seite zu finden):

Gager: dicht, pfeffrig, viel Würze, rund, aber nicht zu üppig, kraftvoll.
Heinrich: „hellere“ Frucht, straffe Würze, geschmeidige Eleganz, Säurebalance.
Igler: dunkle Frucht, Würze, viel Frische, Säure, Pikanz, Spannung, guter Trinkfluss.
Kirnbauer: Röstaromen, dunkle Aromen, süße Empfindung, rund, „viel Wein“, bleibt etwas kleben.
Lang: rund, Röstaromen, Würze, Zimt, kräftiges Tannin.
Prickler: mineralisch, dicht, Röstaromen, Würze, mächtig, Kaffee und Schokolade, Süße im Nachhall.
Reumann: der Fruchtige. Viel von allem: Holz, Süße, Säure, Röstaromen. Haftet lang.
Wieder: rund und geschmeidig, Röstaromen, Würze, Mineralik, feines Tannin.

Dass der V-MAX eine ebenso erfolgreiche Marke wird wie der Vitikult, wird jedenfalls weniger an den Geschmacks- und Texturausprägungen scheitern als am Preis, der mit € 32-53 ebenso im Top-Segment angesetzt ist wie der Qualitätsanspruch. Dafür gibt es eine limitierte Edition aller 8 Weine in eleganter, lackierter Holzkiste.

Dank gebührt dem ganzen Team des Quellenhofs für die Abwicklung der Präsentation und das nachfolgende Diner sowie Michael Jank, Feinkost Plangger, für maßgebliche Mitorganisation.

 

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