Tasting on Thin Ice: Laurenz V., Österreich und die Welt.

30.09.2013

„Wir haben eine Mission“ sagt Laurenz Maria Moser V. „Als einziger Produzent, der ausschließlich Grünen Veltliner im Sortiment hat, ist es unser ureigenstes Anliegen, diesen international bekannter zu machen!“ 95% des Grünen Veltliners werden innerhalb der deutschsprachigen Welt konsumiert; alles darüber hinaus fällt in den Bereich Exotik. „Doch wir wollen überall stark sein!“ ist die starke Ansage, die nach Untermauerung sucht.

Zu diesem Behufe wurde am 19. September 2013 in Wien zur Verkostung geladen: Grüner Veltliner aus Österreich gegen große Weißweine der Welt, blind natürlich –  ein „Tasting on Thin Ice“ eben. Um zu sehen, wo sich LAURENZ V. innerhalb der internationalen Arena befindet. Und vor allem um zu lernen. Um den eigenen Grünen zu verbessern. Weil der Grüne Veltliner nicht nur in sich eine gute Geschichte sein kann. Wie also misst er sich mit den Topsorten der Welt? Ist er eine Weltweinrebe?

21 Weißweine aus den wichtigsten Rebsorten und Weinregionen der Welt in der Preisspanne zwischen 20 und 50€, darunter viele persönliche Lieblingsweine von Laurenz Moser, dazu noch ein Pirat, ein 100 Parker-Punkte-Wein um 150€, das war das Verkostungsszenario. Laurenz Moser und Dieter Hübler hatten 10 Kollegen aus der österreichischen Weinjournalistik und Vermarktung ins Fabios eingeladen, die Weine im 20-Punkte-System zu bewerten; deren Kommentaren sollten auch Aufschluss über die eigene Arbeit an LAURENZ V. zu geben.

In den Gesprächen kam ganz klar heraus: Balance und fühlbare Authentizität liegen vorne; vordergründiges Holz schreckt ab, neutrale Weine hingegen können ganz gut mithalten. Und die Ergebnisse? Unter den ersten 10 sind vier Österreicher und vier Deutsche – cool climate rules! Wacker hielten sich auch ein Pinot Grigio von Jermann/Friaul und ein Chardonnay von Mondavi/Napa – als klare, ausgeglichene Weine durchaus berechtigt.

Die unisone Abwertung von zwei im Verkauf höchst erfolgreichen Weinen auf die hinteren Ränge zeigt, dass Publikumshits am hiesigen geschulten Gaumen nicht unbedingt reüssieren. Während der Cloudy Bay jedoch noch den ein oder anderen Freund finden mochte („trink ich hin und wieder gern“), fand der Blanc de Blancs der Domaines Ott keinen Fürsprecher. Allerdings taten sich auch komplexe Franzosen wie Mâcon-Verzé von Leflaive, Condrieu von Guigal und Châteauneuf blanc von Giraud nicht leicht in diesem Verkostungsgefüge – solche Weine verlangen geradezu nach mehr Luft, mehr Zeit, mehr Zuwendung. Und die 100 Punkte, der Pape Clément Blanc 2009, der genau in der Mitte landete? „Schas mit Quasteln“ für die einen, auf keinen Fall sein Geld wert für alle.

Angesichts teilweise recht inhomogener Bewertungen bei einzelnen Weinen muss man auch feststellen: persönliche Vorlieben und Gaumengewohnheiten prägen ebenso das Ergebnis, das mit einer Durchschnittsnote nur unzureichend die Qualitäten eines Weines wiedergibt. Bei den ersten beiden Plätzen aber, nur um ein Zehntel voneinander getrennt und in diesem FAll doch auf einer sehr homogene Bewertung gegründet, zeigte sich vielleicht wirklich, was einer der Teilnehmer konkludierte: der Österreich-Geschmack sitzt so tief in uns fest, dass wir ihn auch blind favorisieren.

Deshalb wird es spannend sein, welche Ergebnisse die nächsten Thin Ice-Verkostungen im Ausland bringen werden: am 17. Oktober in Berlin und am 7.11. in London, weiters in allen LAURENZ V. Schlüsselmärkten inklusive USA, China, Japan, UAE und Schweiz. Wie wird die internationale Akzeptanz des Grünen Veltliners aussehen?

Die vorderen Ränge im Salon:
19 Kollwentz Chardonnay Leithagebirge 2012 
18,5 Wittmann Weißer Burgunder „S“ 2012 / Huber Bienenberg Weißer Burgunder GG 2010 /  Rebholz Im Sonnenschein Weißer Burgunder GG 2011 
18 Knoll Loibenberg Grüner Veltliner Smaragd 2012 / Laurenz V. Silver Bullet Grüner Veltliner 2012 / Prinz v. Hessen Dachsfilet Riesling 2012 / Bründlmayer Spiegel Grau- & Weißburgunder 2012 / Jermann Pinot Grigio 2012 / Von Winning Kalkofen Riesling GG 2011 / Laurenz V. Charming Grüner Veltliner 2012

Zu LAURENZ V.

„Der Grüne Veltliner ist die DNA der Moserfamilie!“  sagt Laurenz Moser, dessen Großvater Prof. Dr. hc Lorenz Moser III. diese Rebsorte „aus dem Dornröschenschlaf“ geholt hat. In den 1920er Jahren war sie nämlich nicht sonderlich aktuell, Österreich war damals sehr Müller-Thurgau-affin. Doch mit seiner Entwicklung der „Lenz Moser Hochkultur“  wurde alles anders, die normalerweise nicht aufgehende Gleichung „trägt gut – ist gut“ stimmte plötzlich.

Heute ist Grüner Veltliner eine höchst seriöse Rebsorte; in einer Art innerfamiliärer Logik hat Laurenz Moser V. den Ratschlag seines Großvater, sich auf die wichtigen Dinge im Leben zu konzentrieren und sie gut zu machen, ernst genommen. Perfekte Trauben, gewachsen im Kamptal, Kremstal und Weinviertel, werden als Marke LAURENZ V. zu mittlerweile 7 verschiedenen Veltlinern vinifiziert und weltweit vertrieben; 20% des Gesamtexportes gehen nach Asien.

„Thin Ice“ ist nicht die erste Vergleichsverkostung, mit „Generation Grüner“ stellte man sich 2012 der Konfrontation mit Grünen Veltlinern weltweit; in einer anderen Verkostung hatte man das Alterungspotenzial der eigenen Weine wie das anderer österreichischer Veltliner bis zurück in die 1980er Jahre überprüft.

 

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