Große Gewächse 2011. Von der Vorpremiere des VDP (Dtd 4)

05.09.2012

Unlängst saß ich mit weinaffinen Menschen bei Tisch, es ging um die Verantwortung im Bewerten von Weinen. Nur wenige Tage darauf hatte ich einen der raren, höchst begehrten Plätze bei der Vorverkostung der Großen Gewächse des VDP in Wiesbaden inne. 359 Weine, 2 Tage. Sie verstehen, worauf ich hinaus will? Die Kurhaus-Kolonnaden sind ein guter Ort, sich einen größtmöglichen Überblick verschaffen - über den Jahrgang, die Qualität in den einzelnen Regionen. Viel mehr aber sollte man sich selbst nicht abverlangen und auch den Weinen nicht; eine verantwortliche Bewertung geht sich in diesem Schnelldurchlauf nicht aus, nicht für alle Weine und auch nicht für eine größere Selektion, die Kostbarkeit der Zeit zeigt sich von zwei Seiten.

Was ich an 2011 bislang gekostet hatte, war nicht unbedingt das, was mir Freude macht. Zu viel Reife, zu viel Üppigkeit, zu viel Schwere. Keine, die unbedingt in Alkoholgraden zu messen wäre, aber als ein Wesen in den Weinen ist, das mich sehr oft zu Boden zieht.

Wenn es aber darum geht, Weine mit Spannkraft zu machen, Weine, die berühren, die faszinieren, die mitreißen, dann war 2011 trotz - oder wegen? - langer Reifezeit wohl doch nicht ganz so einfach, oder aber, weil man einfach das tut, was einem der Weingarten sagt, was einem die Natur sagt, war es vielleicht wiederum gar nicht so schwierig, und so sind gerade die Weine da, wo nicht einem bestimmten Bild nachgegangen wurde und der idealisierten Vorgabe eines fiktiven „Wie es sein sollte“, also überall dort, wo auch viel Intuition mit dabei ist, die Weine richtig richtig gut geworden.

Das ist in Rheinhessen so, das ist in der Pfalz so, das ist an der Nahe so. Mit dem Rheingau habe ich nicht nur heuer meine Schwierigkeiten. Als ich begonnen hatte, deutschen Wein zu trinken, waren Mosel und Rheingau dessen Inbegriff für mich. Inzwischen tu ich mir schwer. Mosel versteh ich, die Weine aus Ersten Lagen, die ein bisserl zu viel Zucker für ein Großes Gewächs haben, liebe ich, aber mit dem Rheingau grosso modo Freundin zu werden gelingt mir irgendwie nicht. Ich könnte nicht genau sagen warum, ich hab einfach das Gefühl, dass da etwas fehlt: die Linie, die Ausgewogenheit, etwas Originäres - davon finde ich in dieser Region nur selten etwas.

Doch zurück zum Jahrgang 2011: Riesling ganz groß an der Nahe, in Rheinhessen, teilweise in der Pfalz, und sonst spärlich gesät, obwohl: auch Mosel-Saar-Ruwer hat verdammt gute Sachen dabei. Vom Silvaner in Franken hätte ich mir etwas mehr erwartet, dafür habe ich mir in diesem Jahr sehr bewusst die Roten anschauen können. Ich muss sagen, Lemberger aus Württemberg, meine Hochachtung! Ich liebe Blaufränkisch, und gerade mit dem Jahrgang 2010 finde ich im Württembergischen Lemberger Feinheiten, herrliche Säure, Ausgewogenheit, Trinkfreude, keine Üppigkeit, viel Würze - das steht der Rebsorte.

Bei den Spätburgundern gemischte Gefühle, vielleicht bin ich da auch viel zu wenig eingetrunken, das ist sicher so. Allerdings, im Vergleich zu österreichischen Blauburgundern finde ich weniger Dicke, Süße und Üppigkeit, und das spricht schon mal verdammt für deutsche Spätburgunder. Ein wenig reingerochen habe ich auch in die Weißburgunder, doch da komme ich meist nicht ganz zurecht, zu viel Holz, zu viel Üppigkeit. Und Rieslinge aus Riesling-Nebenregionen? Franken, ja doch, immer wieder gerne; die Zeit hat nur leider nicht für alles gereicht, ich kämpfte so schon zur Genüge an der Blitzbewertungs-Front.

Die große Faszination aber sind jene Weine, die unglaublich Stimmung machen, ein spontanes Gefühl erzeugen; da geht es nicht mehr nur um Riechen und Schmecken, das sitzt viel tiefer. Bei der Begegnung mit solchen Weinen weiß ich, warum ich da bin, und warum die Idee des Großen Gewächses eine solche Anziehungskraft hat.

AUS DEN NOTIZEN. Die Reihenfolge der Weine ist rein zufällig, Lieblingsweine auf den ersten Blick sind allerdings gekennzeichnet ;)

RIESLING

Mosel-Saar-Ruwer
CLEMENS BUSCH: spannungsreiche Kollektion, fordernde Weine, die noch Zeit brauchen.
VON OTHEGRAVEN: für mich die besten aus der Region. Ausgewogen und klar. Vor allem der Bockstein mit Steingeruch und Stein auf der Zunge animiert zum sofortigen Weitertrinken. Bestechende Salzigkeit. ♥

Weitere Empfehlungen: Reichsgraf von Kesselstatt (mir persönlich ein wenig zu schwer, zu satt, aber durchaus gut), Fritz Haag, Dr. Loosen, Reinhold Haardt.

Weine aus Erster Lage, oberhalb der gesetzlich festgelegten Obergrenze für die Geschmacksangabe trocken. Diese Weine gehören jedes Jahr zu meinen Lieblingen; dem Spiel aus Süße und Säure bin ich einfach verfallen.

VAN VOLXEM

  • Scharzhofberger: intensiv mit Kräuternoten; feiner Zucker, mineralisch, saftig, lebendig, eindrucksvoll, Spiel, nur zarte Süße
  • Volz: feines Stinkerl mit Kräutern; herrliche Säure, straff, leicht gerbstoffig, intensiv mineralisch, strahlend, saftig, trägt einen mit sich, man möchte einfach trinken
  • Gottesfuß: hinter Kräutern reife Frucht; zarter Süßeschmelz, geschmeidig, mineralisch, intensiv, wirkt sehr kraftvoll ein, lässt nicht aus, Druck, anregend, lockt, salzig ♥
  • Altenberg: steinige Nase feine Kräuteraromen, zarte Süße, gepuffert mit straffer Mineralik, sehr salzig, am Gaumen bleibt nur noch der Stein, ha! das packt, so liebe ich es ♥ ♥
  • Goldberg: würzige-kräutriges Steinobst; Zitrus, Frische, fährt scharf rein; sehr steinig dann, nicht ganz so charmant

FORSTMEISTER GELTZ-ZILLIKEN, Rausch: holzrauchig; feiner Fruchtsüßeschmelz, charmant und lächelnd, saftig, mit etwas reifer Zitrusfrische, freundlich, Balance

REINHOLD HAARDT, Ohligsberg. Die Überraschung: verhalten zwischen Zitrus und Steinobst; sehr fordernd und lebendig, der zarte Restzucker integriert, alles in Balance, füllig in Frucht, hocharomatisch ohne dick aufzutragen, lebendig. Leicht salzig, leicht bitter, anregend. ♥ ♥

CLEMENS BUSCH, Falkenlay: Kräuter, dezent Frucht; fein bitter, salzig, mineralisch, schmelzig, aber nicht dick, sehr sauber, geradlinig

HEYMANN-LÖWENSTEIN. Immer einer meiner Favoriten.

  • Uhlen „Laubach“: dunkels rauchiges Stinkerl; herrliche Säure, Strahlkraft, animierend, lebendig, salzig, animierend, Freude 
  • Uhlen „Blaufüßer Lay“: Rauchiger Stein; saftig, hochmineralisch, straff, keine Umwege, füllt schön den Mund, dann kommt wunderbar Frucht, Steinobst, Pfirsich aus dem Weingarten, nervig ♥
  • Röttgen: dezente Fruchtsüße in Nase; mineralisch-frisch, saftig, feiner karamelliger Unterton, grip, packt zu, lässt nicht mehr aus, Länge mit intensiver Frucht ♥
  • Stolzenberg: Frucht mit mineralischer Würze; dicht, intensiv, feiner Zucker, Balance, salzig, füllt und wärmt, Komplexität, braucht Zeit ♥
  • Kirchberg: verhalten; der Restzucker doch spürbar, prickelt, straffe Mineralik, salzig, etwas hart, Salzigkeit bleibt ♥

Rheingau
GRAF VON KANITZ: durchaus attraktiv und gut strukturiert; den Kapellenberg mag ich trotz fast kitschiger Frucht seiner Lebendigkeit wegen.

BALTHASAR RESS: die einzigen Rheingauer Weine, die mich wirklich überzeugt haben. Viel individueller Charakter, nachhaltig.

  • Berg Schlossberg: rauchige Marille; cremig, schmelzend, schöne Fülle, aber nicht dick, fließt wie ein strahlender Strom, füllig, zum Essen, nachhaltig. ♥
  • Nussbrunnen: eigenwillig würzig-fruchtig; geschmeidig, eigenständig, saftig, tolle Struktur; mächtig, ohne zur Last zu fallen; lang.

Nahe
Diese Region trägt wohl den Preis für die durchgängig homogenste Performance nach Hause! Die größte Dichte an Weinen, die den Titel „Großes Gewächs“ zu Recht tragen.

SCHLOSSGUT DIEL. Aristokratische Weine, wie könnte es anders sein.

  • Pittermännchen: klare präzise Frucht, nicht üppig, feines Steinobst; hell und frisch, feine Mineralität, Spiel, lebendig, Apfelfrucht, strahlig
  • Goldloch: dunkle Frucht, etwas Karamell; dann aber klar und straff am Gaumen, saftig, salzig, sehr lebendig, Mineralik geht in den Gaumen, sehr elegant
  • Burgberg: reife Kräuterfrucht; zarte Frucht, zarte Erscheinung, die doch eine unterliegende Kraft hat, salzig trifft hier einfach zu,  vornehm, eine Form von Zurückhaltung, edel, mineralische Länge, Frische ♥
  • Schlossberg: frische Zitrusmineralik, straff, leicht gerbstoffig, flirrende Frische mit Kraft. Strahlig.

GUT HERMANNSBERG

  • Bastei: verhalten, etwas Boden; feine grüne Frucht, mit Mineralik unterlegt, sehr straff, gefasst, eine herbe Frische mit doch reifer Frucht, die aber schlank ist, nicht dick; ein hauch von Karamell im Nachhall, aber so was von Hauch, strahlig, mineralische Länge
  • Hermannsberg: rauchig; Schmelz, reife Frucht, doch nicht dick oder vordergründig, nur durch Schmelz anwesend; ganz dezent als Schatten hinter der Mineralität
  • Kupfergrube: dunkles Stinkerl; flirrend, gleich wieder ganz strahlig, geradlinig mit erdrauchigen Noten, scharf, Säure straff, frisch

DÖNNHOFF

  • Dellchen: sehr elegante Fruchtnase, fast feine Orangen; Frische in der Frucht, in der Mineralität, schwingend, sehr schön der Stein, der da hervorkommt, ganz selbstverständlich, unkaschiert, zeigt sich offen, hohe Eleganz
  • Hermannshöhle: gleich schon der Stein, der Boden, gar nicht erst Fruchtumweg; satte elegante Frucht, einige Frische, Klarheit und Strahligkeit, Alpenkräuter auf Edelweißwiese ♥
  • Felsenberg „Felsentürmchen“: verhalten: leichtes Prickeln, frisch, lebendig, strahlige Eleganz, feine Mineralik

EMRICH-SCHÖNLEBER

  • Frühlingsplätzchen: strahlend; reife Nase; voll am Gaumen die Frucht, sehr klar, saftig, schwebend, sehr fein die Mineralität, Stein; als Begleitung, die sich nicht aufdrängt, aber selbstverständlich da ist. Sehr lang
  • Halenberg: verhalten; sehr zarter Beginn der Frucht, straff, klar, keine dunklen wilden Eintrübungen, eleganter Schmelz, viel Stein

SCHÄFER-FRÖHLICH: Ich mag die eruptive Kraft dieser Weine sehr. Sie haben allesamt etwas Lauerndes, dem ich mich nicht entziehen kann und will. Für mich absolut verführerisch, immer noch weiter einzutauchen. Eigentlich hocherotische Weine, die „dunkle Seite des Rieslings“.

  • Kupfergrube: Küche, Stinkerl; flirrend, noch sehr frisch, dunkel in Frucht, Reife ist da, Ribisel, das Stinkerl bleibt am Gaumen; saftig, hat was, lässt einen nicht los, eigene Frucht auch, zieht lange
  • Felsenberg: Stinkerl; dunkel am Gaumen, geheimnisvoll, viel reife Frucht eigentlich, die nicht in den Vordergrund muss, sondern stärkt; mich bindet dieser Geruch stark, ich mag ihn, so etwas Dreckiges irgendwie. Mit Schmelz. Ein Altrocker. ♥
  • Felseneck: leichtes Stinkerl; ordentlich reife Frucht, kraftvoll, da ist aber auch Frische drin, zwischen der Mineralität kommt immer wieder die Frucht hervor, das ist sehr lebendig. Hat Power; cremiger Schmelz der Frucht immer wieder da, dann kommt wieder Mineralik; salzig ♥
  • Halenberg: Stinkerl, wilde Kräuter; eine organoleptische Wildheit, die aus dem Wein springt, satte Frucht mit Säure, reif, doch nicht dick, diese Salzigkeit darüber, alles türmt sich übereinander, nein nichts Elegantes, aber so eine aufbrechende Kraft. Ein Wein, der reinfährt. ♥♥

Rheinhessen

Gunderloch: von zarter bis dick aufgetragener Frucht, aber feinsalzig und geradlinig.
Wagner-Stempel: wunderbarer mineralischer Biss, kraftvoller der Heerkretz, eleganter der Höllberg.

PHILIPP WITTMANN: eine großartige Kollektion (ja, das ist auch bei den Kollegen so zu lesen), sehr dichte Weine.

  • Aulerde: dicht, kraftvoll, mineralisch zupackend, sehr präzise, feine Säure, strahlend mit eleganter Kraft, saftig, unendlich ♥
  • Kirchspiel: Waldmeister; feine Fruchtsüße, schöne mineralische Präsenz; saftig, etwas Zitrus, lebendig, tänzelnd, Druck, elegante Kraft, feiner Schmelz, Länge
  • Brunnenhäuschen: warme Frucht, wieder etwas Waldmeister; feiner Schmelz, elegantes Auftreten, saftig, feiner Gerbstoff, kokette Mineralik, Zitrus ♥
  • Morstein: reife Frucht und Kräuterwürze; feiner Gerbstoff, schlummernde Kraft, feinste eleganteste Aromatik von gelben Früchten, balanciert, eindringlich

KÜHLING-GILLOT: Da ist dieser eine Wein, der einen sofort im Griff hat: Pettenthal. Dichte Nase von Frucht und Boden, dunkler Stein, man will nicht aufhören riechen; satte weiche Frucht mit feinfühligem Schmelz, darunter die Spannung einer geballten Ladung Mineralität, dabei saftig, bei Frucht aus Vollem schöpfend, dann bleiben nur noch die Steinaromen auf der Frucht aufrecht stehen; füllend, Länge, Intensität ♥♥

BATTENFELD-SPANIER: Herausragende Eleganz. Keine vordergründigen Weine, allesamt noch sehr verhalten. Freude auf Jahre hinaus!

  • Am schwarzen Herrgott: dicht, dunkel, feiner Pfirsich mit Würze; Schmelz, Kräuter dahinter, Fülle, Volumen, diese feine Würze mit Mineralität, wirkt nicht schwierig und hat doch so viele Schichten; ein Wein mit Leichtfüßigkeit und tänzerischem Selbstbewusstsein, athletische Eleganz. ♥♥
  • Frauenberg: ehr dezente elegante Aromatik, feine Kräuter, gewinnt mit Luft mehr; leicht rauchig;  straffe Mineralik, zupackend, feinsalzig
  • Kirchenstück: helles Steinobst, orangiges Zitrus; angenehmer Fruchtschmelz, saftig, rinnt mit mineralischem grip den Gaumen entlang; saftig, nicht dick, sehr fein ziseliert, noch verhalten; samtig mit Mineralik. ♥

Pfalz
Viel Solides, aber wenig Herausragendes. Gute Weine: Knipser, Philipp Kuhn (angenehm unaufgeregt), Bassermann-Jordan (viel nasser Stein in der Aromatik, Rasse), Reichsrat von Buhl (sehr konsistente, ausgewogene Kollektion, viel Kräuter, feinbitter; meine Favoriten Pechstein und Reiterpfad), A. Christmann (unaufdringlich, feinsalzig; ich mochte vor allem den Langenmorgen), Ökonomierat Rebholz (geradlinig, etwas gerbstoffig). Zu entdecken: Kranz mit Kalmit (nicht anbiedernd, hintergründig).

VON WINNING: Ich hatte das Vergnügen, schon Fassproben kosten zu können; gefüllt zeigen sich die Weine derzeit schwierig in der Aromatik, eher dunkel-rauchig mit etwas Gerbstoff, eigentlich noch unfertig, als würden sie erst langsam in Gang kommen; allerdings Esprit und Spannkraft zeigend.

  • Pechstein: gerösteter Stein; Schmelz, Frucht unter Stein, saftig, Zitrus, bitter-salzig, anregend; Länge
  • Kirchenstück: warmholzrund; dezente Holznoten, leicht rauchiger Apfel, feine Säure, hat Spannkraft, Tiefe, Mineralik, Länge
  • Spiess: Stinkerl; straffe mineralische Würze, kantig, wirkt noch unfertig, nur zart frischer Apfel, aber vielschichtig, weitet sich, geht langsam in die Tiefe
  • Kalkofen: holzrauchig mit Stein, eigenwillige Nase; cremige Frucht mit mineralischem Esprit, Holz, hat was, Länge, muss noch richtig kommen
  • Kieselberg: dunkelgelb-rauchig; Steine auf Schalen, leichter Gerbstoff, feiner Fruchtschmelz, überlagert von Mineralik, sehr lebendig, vielschichtig, kommt erst langsam in die Gänge, fröhliche Zitrusnoten, salzig im Abgang
  • Langenmorgen: Stinkerl; Fruchtreifer Schmelz, saftig, man will zweiten Schluck, animierend, reife Salzigkeit ♥

DR. BÜRKLIN-WOLF: Noch viel zu früh für diese Weine.

  • Pechstein: Stinkerl, dunkle Nase, leerer Keller; nasser Stein, saftig, Zitrus, Apfel anoxidiert; gerbstoffig, viel zu jung
  • Kirchenstück: Stinkerl; saftige Apfelfrucht etwas anoxidiert, salzig-mineralisch, vielschichtig, noch ganz langsam, am Anfang, straff, geht dann in die Tiefe ♥
  • Gaisböhl: ein Hauch von Karamell hinter Apfel und Stein; sehr straff, mineralisch, zieht, klebt etwas
  • Kalkofen: dezentes Stinkerl; Zitrus, bitter, Inneres von Grapefruit, salzig, tut fast schon weh, straff
  • Hohenmorgen: gelbe Früchte; Zitrus, hellfruchtig, straff, zieht, auch lockerer, leicht salzig, vergnüglich mit Ernsthaftigkeit ♥

In Württemberg fiel mir der Riesling „Grübenstein“ Sonnenberg von ERNST DAUTEL wohltuend auf: animierend, kernig, salzig, straff. Ein Vergnügen.♥

SILVANER Franken

Es sind heuer nur wenige Weine, die mich wirklich zu begeistern wissen. Dass einer gar absolut deutliche Sauvignon blanc-Noten hat, auch am Gaumen, müsste eigentlich schon im Vorfeld zu einem Platzverweis geführt haben - unverständlich, wie ein solcher Wein als Großes Gewächs-Silvaner überhaupt durchgehen konnte! (Bürgerspital zum Hl. Geist, Stein)

Staatl. Hofkeller Würzburg

  • Stein: gemahlener Stein; weiche cremige gelbe Frucht, die Steinwürze kommt erst langsam dahinter hervor, dann aber wird‘s pfeffrig. Dichte bleibt.
  • Innere Leiste: Frucht steht einfach da, etwas Stinkerl; saftig, reif, reich, feine Säure, entwickelt sich langsam im Glas, braucht Luft, straffe Mineralik

Juliusspital Würzburg, Stein: eine Ahnung von Birne; quirlig, sehr lebendig; leicht gerbstoffig, noch nicht fertig, aber anregend, trocken, unfruchtig, gefällt

Ludwig Knoll, Innere Leiste: mineralische reife Frucht, gelbes Obst; sehr cremig, erst die Frucht, dann mineralisch, gerade, nicht mehr abweichend, Säure fein, intensiv. Wärmt.

BICKEL-STUMPF, Mönchshof: cremige Fruchtnase, Ananas; auch am Gaumen, dazu aber noch mineralische Lebendigkeit, helle Ananas mit ihrer Säure, straff, verständlich mit hohem Anspruch ♥

Horst Sauer, Lump: dunkle gelbe Frucht, intensiv, warm; geschmeidiger Schmelz, angenehme Säure, gar nicht so kraftvoll wie in Nase. Elegant.

WELTNER, Küchenmeiste „Hoheleite“: dichte gelbe feine Frucht; elegant, einiges an Bodenwürze, etwas Dunkles, Erdiges, am Gaumen Mineralik, immer schwingt die dunkle Seite mit, Länge, vielschichtig ♥

Juliusspital Würzburg, Julius-Echter-Berg: schöne intensive Frucht, Obstkorb; nicht so dick wie befürchtet am Gaumen, straff vielmehr, zunehmend mineralisch, macht Freude, kraftvoll, dann wieder Frucht,schöne Balance

WEISSER BURGUNDER

Schloss Proschwitz (Sachsen): helle Nüsse, frisch, kraftvoll, genau richtig, guter Essensbegleiter.

Pfalz
Knipser, Kirschgarten:  frische Frucht, zarte Holznoten, sehr lebendig; leicht gerbstoffig, animierend, leicht bitter
Philipp Kuhn, Kirschgarten: verhalten; eher Kräuternoten als Frucht, straff, lebendig, zieht schön durch, animierend

SPÄTBURGUNDER

MEYER-NÄKEL (Ahr) 2010

  • Kräuterberg: rauchige Beeren, mit Luft immer beeriger; mineralisch mit Fruchtschmelz dahinter, etwas Kaffee, getrocknete Himbeeren, sehr fein, freundlich-tänzerisch
  • Pfarrwingert: feine Beeren, Sauerkirsche; leichte Holzaromen, straff, kantig, gerbstoffig, mineralisch, aber immer noch leichtfüßig und elegant, dunkelrauchig, leicht bitter, wärmt.

KÜNSTLER (Rheingau) 2010

  • Reichestal: leicht Bitterschoko mit heller roter Frucht; zart Holz, eher schwebend, mit Bitternoten anregend, sehr tänzelnd, macht Spaß

Pfalz 2010, wenn nicht anders angegeben
KNIPSER

  • Mandelpfad: dunkelholzfruchtig; weich, saftig, runderer Typ, mit schöne Mineralität unterlegt, feine Säure, elegant mit behutsamer Kraft
  • Kirschgarten: leichte Holznoten, feines Bitterl, nur dezent Frucht, leichtfüßig, zartrauchig, fein straff, alles sehr fein und in Balace, hinten trocken
  • Burgweg: weiche dezente Frucht, zartgeschmeidig, dann aber sehr feine Fruchtnoten und Gerbstoff, alles fast vorsichtig, nicht aufdrängend, leicht rauchig vom Holz, bleibt lange, Gerbstoff kommt langsam

ÖKONOMIERAT REBHOLZ, Im Sonnenschein 2007: würzige Frucht, leicht Holz; frische saftige Frucht, feine Geschmeidigkeit, feine Tannine, sehr straff, ganz Struktur, bleibt sehr gerade, sehr würzig, anregend

BERNHART, Sonnenberg „Redling“: zarte Holzwürze; auch Gaumen erst Holz, leicht metallisch wirkend, Gerbstoff, Mineralität, eine Metallempfindung am Gaumen, viel Würze, rauchig, gewisse Eleganz, angenehm zu trinken

Außerdem: Friedrich Becker: mit weicher zarter Frucht, fröhlich zu trinken.

RUDOLF FÜRST (Franken): Generell schwebende Leichtfüßigkeit mit sehr ernstem Hintergrund. Alle 2010

  • Schloßberg: fleischig-rauchig; auch Gaumen zartfleischige Empfindung, straff, feine Säure, anregend, in dieser scheinbaren Leichtigkeit intensiv, schillernd, vielschichtig, nicht so einfach zu erfassen, sehr fein am Gaumen, mit grip, aber nicht dick ♥
  • Centgrafenberg: verhalten; feine Frucht, rote Beeren, sanft mit Würze, Mineralik, geht dann langsam in die Tiefe, saftig, ernsthaft
  • Hundsrück: Holzaromen; feine Fruchtnoten, Beeren, Würze, Säure, straff, zieht durch, feinbitter, sehr gefasst, ruht in sich, noch sehr verschlossen, wärmt, wird sich noch wunderbar entfalten ♥

Baden 2010

BERNHARD HUBER

  • Bienenberg: intensive Beeren mit Hauch Würze, „saure“ Beeren; feine Beerenfrucht mit Säure, warme Holzaromen, straffer Gerbstoff, Tannine, schon ordentlich, Länge
  • Schlossberg: intensive Frucht mit Würze von getrockneten Kräutern auf trockenem Boden; feine Fruchtsüße, leicht Trockenkräuter, sehr gerbstoffig, legt sich an, die Frucht aber bleibt präsent, doch sehr viel Konzentration bei schöner Aromatik
  • Sommerhalde: Holz mit Trockenkräutern, reizvoll; geschmeidig, fruchtig, dann kommt der Gerbstoff, doch hier nicht so für sich, eingebunden, auch Säure, sehr fein, Länge ♥

SALWEY

  • Eichberg: feine Himbeere vom Wald, nicht süß; angenehme geschmeidige Frucht, feine Säure, straffer Gerbstoff, intensiv am Gaumen, legt sich an, aber macht doch Lust auf mehr
  • Kirchberg: intensive Himbeerfrucht; Frucht als erstes, mit feiner Süße, trägt nicht dick auf, warm, Himbeere, Mineralität taucht heraus, fein bitter, intensiv, wärmt, Länge
  • Henkenberg: rauchig, ein Hauch von Selche; rauchige Frucht, feine Säure, belebend, anregend, bitter, zieht längs durch

LEMBERGER Württemberg 2010
Wie schon eingangs erwähnt, gab es da einige Überraschung für mich, die jegliches Vorurteil zunichte machen. Aber das hab ich ja auch bei österreichischen Blaufränkischen ;)

WEINGUT DES GRAFEN NEIPPERG

  • Ruthe:  leicht rauchig mit würziger Kirsche; helle Brombeeren, aber vor allem Waldwürze, feine belebende Säure, straff, dunklere Frucht mit Waldhintergrund; belebend und anregend ♥
  • Schlossberg: warme rote Beerennase; gerbstoffig, aber leichtfüßig, keine dicke Konzentration, Eleganz, Holz dezent

ERNST DAUTEL, "St. Michaelsfeder" Michaelsberg: mittl. rubinviolett; süße Fruchtaromen in Nase, Kirsche Gaumen erst Fruchtsüße, dann trocken, rau, klar. Speisenbegleiter  17

GERHARD ALDINGER, Lämmler: dunkle eingelegte Beeren; samtig mit grip, festes Tannin, Würze, gibt aus, dunkle Anmutung am Gaumen; legt sich etwas an, leicht adstringierend, etwas grob, nicht so schwebend
RAINER SCHNAITMANN, Lämmler: Kräuter mit Preiselbeeren; Beerenfrüchte saftig, frisch, Würzekick am Gaumen, anregend, wirkt hell von Frucht her, möchte man weitertrinken, sehr anregend ♥
KARL HAIDLE, Mönchberg: Joghurt-Beeren, fruchtintensiv, kräftige Tannine, legt sich an, Frucht bleibt stark, für Freunde solchen Weines, pikante Spitzen immer wieder, saftig
JÜRGEN ELLWANGER, Lichtenberg: reiche angenehme Fruchtnase, rote Früchte; klar am Gaumen, Früchte, frisch, anregend, saftig, nettes Fruchtspiel, freut. Nicht große Tiefe, aber sehr vergnüglich.

Resümee: Großartige Veranstaltung, für die den Organisatoren und Ausführenden alle Hochachtung gebührt - nur eben für die meisten Weine viel zu früh. Aber wer sich nicht auf eine Bewertung in der Minute kapriziert, dem ist sie wegweisend. Im Winter kann man sich dann ja langsam auf einzelne genauere Beobachtungen konzentrieren. Denn ein Verkostungskammerl wie das des Marcus Hofschuster, wo man den Weinen gleich mehrere Tage schenkt, hat ja nicht jeder ;)