Österreichischer Sekt. Eine (künftige) Leidenschaft

22.10.2013

Mousseux, Perlage, Bubbles: dass Schaumwein so hartnäckig vom Nimbus des Besonderen umweht ist, muss an den geheimnisvoll aufsteigenden Bläschen im Glas liegen. Hauch der noblen Welt? Sieht man sich jedoch das Konsumverhalten an, dann ist es mit der Noblesse nicht weit her: denn angeboten und bestellt wird, ob als Aperitif oder als Glaserl zwischendurch, mit Vorliebe Prosecco.

Und dann kommt eigentlich schon Champagner. Sekt aus heimischer Erzeugung aber scheint kaum auf, jedenfalls in landläufiger Gastronomie; mehr als ein Alibiprodukt wird selten auf den Getränkekarten zu finden sein.

Dabei genießt österreichischer Sekt durchaus guten Ruf, Vorreiter wie Bründlmayer, dessen Brut nach traditioneller Methode wohl einer der meistverbreiteten Sekte der Spitzenliga ist, oder Karl Steininger mit seiner beeindruckenden Rebsortenvielfalt beim Sekt trugen dazu bei. Dennoch, „Sekt hat noch zu wenig Name in Österreich“ konstatiert Josef Pleil, Präsident des Österreichischen Weinbauverbandes, obwohl rund zehn Prozent der Erntemenge dem Sektgrundwein gehört. Das ist vielleicht auch ein bisschen hausgemacht: dem Begriff „Sekt“ haftet immer noch etwas Billiges an, man denkt an 2,99-Angebote im Weihnachtsgeschäft, der normale Konsument verbindet damit nicht hochwertige Schaumweinproduktion à la Méthode traditionelle, wie die Champagnermethode nunmehr heißen muss.

So wurde zum Behufe, das Image des heimischen Sekts zu heben, im Frühjahr 2013 das Österreichische Sektkomitee geschaffen, von seinem rechtlichen Status her vergleichbar mit den zwölf bestehenden Weinkomitees, es hat allerdings bundesweitem Wirkungsbereich. Seine Aufgabe: Verbesserung von Know-how und Transparenz bei der Erzeugung und Vermarktung von österreichischem Sekt. Entscheidend sind nämlich die Fragen der Traubenherkunft und der Herstellungsmethoden. Und bei den Konsumenten muss mehr Bewusstsein für das heimische Spitzenprodukt geschaffen, es muss präsenter gemacht werden, so die Definition des Zieles.

Alljährlich am 22. Oktober wird der Tag des Österreichischen Sekts begangen; zahlreiche Sekthersteller haben ihre Keller geöffnet, eigene Veranstaltungen bringen Licht ins Dunkel der Flaschen am Rüttelpult. Auch der ORF beteiligt sich, mit der Sendung „Eingeschenkt - Sektland Österreich“, ausgestrahlt am Sonntag 27. Oktober um 14.05 auf ORF2, werden alle Geheimnisse rund um die Sektherstellung gelüftet. Eines aber kann sich der künftig sektbegierige Konsument aber schon einmal merken: Nur wenn „Österreichischer Sekt“ auf der Flasche steht, kann er sich sicher sein, auch 100% Österreich darin zu vorfinden; „Sekt aus Österreich“ reicht nicht.

Einer, dem der Sekt sehr am Herzen liegt, ist Walter Polz – aus persönlicher Liebe, aber auch als Produzent von großartigen Beispielen heimischer Sektkultur. Und weil auch er zwischen Prosecco und Champagner den Sekt positioniert wissen will, tut er einiges zum Voranbringen dessen Rufes. „Wir müssen eine Identität zustande bringen“ betonte er anlässlich einer Blindverkostung Sekt vs. Champagner im Sommer 2013 auf Gut Pössnitzberg. „Es kann nicht darum gehen, etwas Erfolgreiches nachzumachen, sondern von dem auszugehen, was hier gewachsen ist, und daraus den Schaumwein zu gestalten. Wir müssen lernen, die Grundweine für Sekt anders zu vinifizieren, damit dieser zu einem genau definierten Produkt wird und nicht zu einem beliebigen ,Auch‘. Eigentlich beginnt es ja schon bei der Traubenernte!“

Wie also können wir mit „Sekt“ auf hoher Ebene Erfolg haben? Woran orientieren wir uns, spielt die Region eine Rolle? Diese Fragen wurden in einer ausgesuchten Runde von Weinautoren und Sommeliers diskutiert. Nicht Regionalität, sondern Individualität bringt hier Wiedererkennungswert, wurde da festgestellt; es geht ja auch um die Herstellungsvarianten, die nicht auf die Herkunft bezogen sind. Handarbeit jedenfalls muss sich unterscheiden, und der Unterschied liegt im Geschmack. Lange Hefelagerung und genau abgestimmte Dosage bestimmen den Charakter, und, so Walter Polz, man sollte auch den Mut haben, die besten Lagen für den Sekt zu verwenden! Und nicht den „Fehler“ der Champagne zu wieder holen, unreifes Lesegut mit Zucker aufzuwerten; das macht noch keine Herkunft aus!

Qualität und Positionierung müssen Hand in Hand gehen, um etwas Besonderes aus Sekt zu machen. Das „Brut“ auf der Flasche wäre ein Weg, um die „Sekthürde“ zu überwinden. Aber vielleicht trägt ja auch die Arbeit des Österreichischen Sektkomitees, gemeinsam mit der Österreich Wein Marketing, zur Höherpositionierung des Österreichischen Sekts bei.

Persönliche Empfehlungen von Kick Off Tag im Museumsquartier am 21.10.2013 im Bild (VKs folgen)

Das Buch zum Thema: Isa Svec, Sekt aus Österreich. Pichler Verlag ISBN 978-3-85431-566-7
Es gliedert sich in zwei Teile, einmal Historisches, Beschreibung der Produktionsmethoden, Vorstellen der traditionsreichen heimischen Sektkellereien und vieler Sektwinzer. In der zweiten Hälfte ist es Sektkochbuch mit prickelnden Rezepten aber auch mit Portraits von österreichischen Köche, die aber nicht unbedingt im Lande tätig sind, aber sozusagen Botschafterfunktion haben.