Einfach gut kochen. Richard Rauch.

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„... und sollten Sie einige meiner Rezepte nachkochen wollen ...“: Wer so das Vorwort zum eigenen ersten Kochbuch beendet, hat Realitätssinn. Weiß, dass Kochbücher eher gesammelt oder verschenkt werden und als Zierde des Bücherregals dienen: „Ah, hier versteh man sich auf gutes Essen!“ Aber dass selbst Kochen, Nachkochen eher nicht vorkommt. Im Falle von Richard Rauchs Einfach gut kochen aber warne ich: Wehe Sie kochen nicht nach!

Denn auch wenn nicht alles ganz so einfach ist, gut ist es auf jeden Fall. Man kann ja jene Rezepte, wo es ein wenig der Bastelarbeit bedarf, getrost beiseite lassen. Obwohl Veilchenkrokant mit Rehtatar verlockend ist. Aber bei 48 Stunden im 60°-Rohr mangels Trockner lasse ich lieber die Finger davon. Also vielleicht die Lammleber im Sonnenblumenbrot. Der Gartenparadeisersalat mit Wassermelone. Die Kürbistascherl im Safran-Kürbis-Fond. Klingt herbstgut. Grad bei diesem Rezept fällt ein wiederkehrendes Detail auf: die Produktempfehlung, in diesem Fall die Kürbissorte. Damit schult Richard Rauch ganz subtil die Achtsamkeit seiner Leser und Nachkocher beim Einkauf und der Produktwahl.

Freilich, viele Rezepte haben auch ihren Aufwand, dehnen sich über 2 Seiten (nur Beschreibung). Aber man könnt ja gewisse Speisenerweiterungen weglassen, sich auf das Hauptthema konzentrieren. Sich Schritt für Schritt die Rauch‘sche Sicht der steirischen Küche erobern. Von seiner feinen Hand bei Zutaten und Aromen lernen: Wermut im Szegediner. Gewürzattacke im Rote Rüben-Fond. Es ist eine lustvolle Küche, die von Herbert Lehmann ganz schlicht und unaufgeregt in Szene gesetzt wird: Bachforelle mit Schwammerltee. In Salbeimilch pochierter Lammrücken. Karamelläpfel mit Graumohn. Die to do-Liste wird bei jedem Blättern länger und länger.

Schwarzwurzel mit Haselnussschaum: Gutes Gemüse kann ich auch daheim besorgen, ein Johann-Schwein-Pendant müsst ich mir erst suchen. Denn das Geheimnis von gut kochen ist ja die gute Zutat. Und da ist das Umland von Trautmannsdorf, wo sich der Gasthof Steira Wirt von Familie Rauch befindet, schon gesegnet. Sogar die Gojibeeren für den Kalbskopfsalat mit Gremolata wachsen in der Gegend. Bei den Kalbskutteln im Senfsud werde ich wohl an den Krebsen scheitern. Den lebenden. Aber ich könnt auf den gefüllten Ochsenschlepp ausweichen. Und ihn diesmal ausgelöst kaufen und mir diese Arbeit nicht selbst antun wie damals, vor vielen Jahren.

Ja, dieses Buch macht wirklich Lust auf Kochen. Gut kochen. Ist mit seinem 22,5 cm-Quadrat auch sehr handlich in der Küche. Und wer tatsächlich unbedingt nur lesen will, findet auch reichlich Text dazwischen, formuliert von Daniela Müller – zur Familie, zum Land, zum Wein, zu den steirischen Spezialitäten und zu den Lieferanten. Doch er sollte wenigstens den Weg zum Steira Wirt finden!

Richard Rauch: Einfach gut kochen. Verlag Anton Pustet 2013  € 29,00
ISBN 978-3-7025-0719-0

Mehr zu Richard Rauch finden Sie in meinem Portrait für die Quintessenz, das Kundenmagazin von C+C Pfeiffer