Herr Eschlböck hat in Wien gekocht.

„Ich schieb ja sonst alles weg von mir“, sagt Karl Eschlböck, „aber für ihn hab ich‘s halt gemacht“. Mit „ihn“ meint er, der er einer der Großen der österreichischen Küche ist, Rudolf „Purzl“ Klingohr, Filmproduzent mit gastronomischen Ambitionen, in dessen Paradiesgartl, einem reizenden Salettl neben den Interspot-Studios, auch die Andi & Alex-Studioküche installiert ist. Und was er für ihn gemacht hat? Kochen natürlich! Drei Abende lang, ein fixes Menü, das inwendige Wärme in diese nebelverhangenen Tage brachte. Es ist schon einiges an Idylle in dem großen und doch so gemütlichen Raum zu finden: der kleine Eisenofen verströmt ordentlich Hitze, auf dem klassischen gemauerten Herd im Eck köchelt eine Suppe im hohen Topf vor sich hin.

Der große Meister vom Mondsee ist freilich gar nicht zufrieden mit dessen geflecktem Zustand: „Eine solche Vernachlässigung käme mir nicht ins Haus, der gehört täglich geputzt und poliert!“ Gekocht wird aber ohnehin auf der blitzblanken Studioanlage, das Menü ist erstaunlich „brav“ für einen, der einmal mit vorne dabei war, die österreichische Küche zu revolutionieren. Zander mit Vanille oder Erbsensuppe mit Erdbeeren gab es also nicht, dafür eine Spätherbst-stimmige Speisenfolge, die ganz unprätentiös, aber mit der Präzision wissender und feinfühliger Hände zubereitet war:

Bachsaibling auf St. Laurent - ein Fisch, der auf der Zunge zergeht, mit dichter, dunkelroter Weinsauce
Mulligatawny - im hübschen Le Creuset-Töpfchen serviert, ein Supperl zum Gesundbleiben in widrigen Zeiten
Rieslingbeuscherl - fein cremig, mit genau dem Kick Säure, wie es so ein Beuscherl eben braucht
Blunzen Gröst‘l und Garnelen - ein bisserl trocken vielleicht das Gröstl, aber dafür umso saftiger die Garnele, kein Widerspruch, die Röstaromen stehen dem Krustentier gut
Kalb-Hochrippe - so was geht halt nur für viele, Kalb am Knochen, saftig-rosig, mit anständigem Fettrandl, Blattspinat und Nierndl dazu, eh nix Besonderes, gell?
Lebkuchenpudding, Maroniparfait, Schokolade - jetzt weiß man endgültig, was man gegessen hat. Gut war‘s, danke!

Dass nur so wenige Gäste da waren, verwundert, obwohl ja eigentlich auch die Tatsache, so ganz kurzfristig einen Platz bekommen zu haben, hätte stutzig machen müssen. ao kann auch die Anwesenheit eines „jungen“ Kollegen wie Heinz Hanner nicht trösten und kaschieren, dass viele noch jüngere Menschen gar nicht mehr wissen, wer Karl Eschlböck ist. Was soll‘s, wenn der Wein von der kleinen Karte passt - 2007 Steinriegel Prager etwa - und auch im Service ein „alter“ Bekannter aus Altwienerhof-Zeiten, Herr Roman Pachler, mit dabei war, dann konnte es nur ein fröhlicher, langer Abend werden. Der mit einem Dank im Herzen (an Herrn Klingohr für die Idee) und der Überzeugung endet, dass die guten Dinge ganz schlichter Natur sein können. Und man bei dem Versuch, sich einen künftigen alten Herren der gegenwärtigen Neuen Küche aus texturverformten Schnittchen und Würfelchen und Türmchen vorzustellen, wie er da am Herd bastelt wird, scheitert ... Oder wie sehen Sie das, Herr Hanner? ;)