Holy Moly Badeschiff

This Old Heart, Smokey Trout, Tenderness of Tenderloin, Sugar Dumpling - Holy-Moly!, das Restaurant des Badeschiffs, goes Soul. Wer da nicht in Stimmung kommt, ist einfach selbst schuld, zumal auch noch Soul- und Funksound die Ohren entzückt und in die Beine fährt. Ein Abend am Badeschiff kann eigentlich nur gelingen, selbst ohne „Nacht der Legenden", schließlich hat sich herumgesprochen, dass Christian Petz' Kreationen ihr (wirklich moderates) Geld wert sind.

So kommen nicht nur fine dining-addicts, die in der rudimentären Ambiance des Badeschiffs ihre Bodenhaftung wieder neu entdecken, sondern auch haufenweise urbanes Jungvolk, das den entspannten Zugang zu kulinarischer Qualität zu schätzen weiß. Die ehemalige Coburg-Crew im T-Shirt, das hat schon was, und selbst stilistisch passend aufgebrezelt für den Soulabend fühlt man sich als Gästin keineswegs fehl am Platz, schließlich haben die Herren am Nebentisch auch den Anzug an. Das mag auch als Respekt für die Küche gelten, die hier Einsicht zeigt, also kein Geheimnis draus macht, wer was wann wie zubereitet. Und doch bleibt so manches rätselhaft, schon die Chilisauce zum Brot macht den Tisch raten: Limette? Kreuzkümmel? Aber was ist wirklich noch drin? Man will hemmungslos werden, einfach zulangen, aber für Schweinsohren und lackierten Aal oder das Gelee vom Ochsenschwanz mit roten Rüben, den Pulpo mit schwarzen Bohnen oder den confierten Kabeljau mit Ochsenherzkarotten nimmt man sich doch besser Aufmerksamkeitszeit. Weil wir aber zur Souly Moly Night gekommen waren, hielten wir uns ans Tuesday's Special, aßen mariniertes Kalbherz mit Cole Slaw und Popcorn - viel weniger südstaatlerisch als es klingt, aber durch und durch petzisch wie auch die feine Rahmsuppe von Räucherforelle mit Lauch. Rindsfilet, Erdäpfelpüree, Lauch: was soll man sagen, einfach und gut, richtig gut, und die Topfenknödel mit Ingwerbirne dann eine Nachspeise von geradezu himmlischer Flaumigkeit. Das unbändige Schokodessert aus der Xocolat-Manufaktur ist dann sowieso die andere, dunkelsüße Seite des Herrn Petz, die im Verein mit Niepoort-Port irgendwie haltlos macht.        

Ein feiner Zug des Badeschiffs: nicht etwa weil die Weinkarte klein sei - denn darauf befindet sich so manche empfehlenswerte Flasche wie der Chardonnay „unplugged" von Hannes Reeh oder der an Trinkfluss kaum zu überbietende Blaufränkisch „Carnuntum" von Dorli Muhr - sondern weil halt grad Lust auf eine bestimmte Flasche aus dem eigenen Keller besteht, darf die auch mitgebracht werden: bring your own bottle! (Stoppelgeld € 14,-)

 Für kommende Woche steht die Hamburger Schule auf dem Programm; dem Vernehmen nach wird auch das Menü entsprechend inspiriert sein: Grünkohl mit Pinkel - Birnen, Bohnen, Speck - Hamburger national - Rote Grütze! Dazu ertönen: Goldene Zitronen, Blumfeld, Tocotronic usw. Reservierung: empfohlen.

Preise: VS ab € 8 / HS € 14-17 / DS ab € 5
Menü 3g € 28/ 4g € 35/ 5g € 43 Brot- und Kulturbeitrag (sehr gelungene Bezeichnung: sagt mehr aus als das ominöse „Gedeck") € 2,50

Badeschiff an der Donaukanallände bei der Urania
Reservierungen unter 0699/151 307 50 oder Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Holy-Moly! Restaurant: tgl. 17 - 01 Uhr (Jän-Mai so, Fei geschl)
Holy-Moly! Clubrestaurant und Laderaum: 18 - 04 Uhr (Küche 18-23 Uhr)

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